Der Prinz von Homburg
Komponist: Hans Werner Henze
Librettist: Ingeborg Bachmann
Dichter der Textvorlage: Heinrich von Kleist
Oper in drei Akten und neun Bildern nach dem Schauspiel von Heinrich von Kleist
Für Musik eingerichtet von Ingeborg Bachmann
Widmung: Igor Strawinsky zu Ehren
Uraufführung: 22. Mai 1960 Hamburg, Staatsoper (D) · Dirigent: Leopold Ludwig · Inszenierung: Helmut Käutner · Kostüme: Alfred Siercke · Bühnenbild: Alfred Siercke
24. Juli 1992 München, Bayerische Staatsoper (Cuvilliés-Theater) (D) · Dirigent: Wolfgang Sawallisch · Inszenierung: Nikolaus Lehnhoff · Kostüme: Gottfried Pilz · Bühnenbild: Gottfried Pilz (Uraufführung der Neufassung)
Orchesterbesetzung: 3 (2. auch Picc. u. Altfl., 3. auch Picc., Alt- u. Tenorblfl.) · 1 · Engl. Hr. · 1 · Bassklar. · Altsax. · 2 (2. auch Kfg.) - 4 · 2 · 2 · 1 - P. S. (Trgl. · Röhrengl. · 2 Almgl. · hg. Beck. · Beckenpaar · 3 Tamt. · 3 Tomt. · Schellentr. · Mil. Tr. · 2 Rührtr. · gr. Tr. · Rute · Glsp.) (3 Spieler) - 2 Hfn. · Klav. (auch Cel.) - Str. -
Bühnenmusik: 1 · 1 · 1 · 1 - 1 · 2 · 0 · 0 - S. (kl. Tr. · Rührtr. [ad lib.]) - Vl. · Va. · Vc.
Personenbesetzung: Prinzessin Natalie von Oranien · Sopran - 1. Hofdame · Sopran - 2. Hofdame · Mezzo-Sopran - 3. Hofdame · Alt - die Kurfürstin · Alt - Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg · Helden-Tenor - Graf Hohenzollern · lyrischer Tenor - Feldmarschall Dörfling · Bariton - Prinz Friedrich Artur von Homburg · hoher Bariton - Obrist Kottwitz · Bass - 1. Offizier · Tenor - 2. Offizier · Bariton - 3. Offizier · Bass - 1. Heiduck · Tenor - 2. Heiduck · Bariton - Chor der Offiziere · Tenöre und Bässe - Pagen, Bedienstete, Wachen, Läufer, Fahnenträger, Soldaten · stumme Rollen
Verlag: Schott Music
Aufführungsdauer: 130' 0''
Kompositionsjahr: 1958/1959
Ausgabe: Dirigierpartitur
Sprache: deutsch - französisch
Aufführungsmaterial - leihweise
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Beschreibung
Fehrbellin und Berlin, 1675. Der junge Prinz von Homburg sieht sich in einer der traumwandlerischen Entrückungen, in die er von Zeit zu Zeit verfällt, als Sieger der bevorstehenden Schlacht. Noch gefangen von seinen Träumen, missversteht er einen Scherz des Kurfürsten und wähnt sich von diesem mit seiner Nichte Natalie zusammengeführt, die er innig liebt. Als sich Natalie ihm entzieht, überhört er in seiner Verwirrung die Order des Feldmarschalls, erst auf ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten in die Schlacht einzugreifen. Der Prinz beobachtet das Schlachtgeschehen und gibt eigenmächtig den Angriffsbefehl für sein Regiment. Die Schlacht endet mit einem glänzenden Sieg; allerdings gilt der Kurfürst als gefallen. Der Prinz versichert Natalie und die Kurfürstin seiner Unterstützung, als der Kurfürst unerwartet erscheint; ihm wurde nur das Pferd unter dem Leib weggeschossen. Er lässt den Prinzen wegen Ungehorsams verhaften.
Das Kriegsgericht verhängt das Todesurteil gegen den Prinzen. Natalie soll als Friedenspfand mit dem König von Schweden vermählt werden. Der Prinz bittet bei der Kurfürstin um Gnade; auch Natalie wendet sich mit einem Gnadengesuch an den Kurfürsten. Dieser stellt eine Bedingung: Wenn der Prinz das Urteil als ungerecht bezeichne, werde er ihn begnadigen. Dies lehnt der Prinz ab; er ist bereit, für sein Versäumnis zu büßen. Der Kurfürst befragt die Offiziere, ob der Prinz noch ihr Vertrauen besitze, was diese ohne Einschränkung bejahen. Daraufhin zerreißt er das Todesurteil. Der Wirklichkeit entrückt, erwartet der Prinz seinen Tod. Unbemerkt nähern sich der Kurfürst und sein Hof, unter ihnen Natalie, die dem Prinzen einen Lorbeerkranz aufsetzt. Sein Traum ist Wirklichkeit geworden.
Zur Komposition der Oper Der Prinz von Homburg wurde Henze durch Luchino Visconti angeregt, mit dem er 1957 das Ballett Maratona di Danza erarbeitet hatte. Vor allem in den Traumsequenzen schafft er mit raffinierten, flirrenden Mischklängen eine Klangwelt, die das schlafwandlerische Wesen des Prinzen in beeindruckender Weise illustriert.
"Der Prinz von Homburg, unser Vetter, der märkische Hamlet, ist der Held meiner neuen Oper. […] Dass man die Welt, die Kleist in diesem Werk aufgebaut hat, von Preußentum abstrahieren kann, scheint einleuchtend. […] Im „Prinz von Homburg“ handelt es sich um die Verherrlichung eines Träumers, um die Zerstörung des Begriffs vom klassischen Helden, es geht gegen die blinde, phantasielose Anwendung der Gesetze und um die Verherrlichung menschlicher Güte, deren Verständnis auch in tiefere und kompliziertere Bezirke hineinreicht, als es „normal“ wäre, und die einem Menschen seinen Platz in dieser Welt einräumen will, obwohl er ein Schwärmer ist und ein Träumer, oder vielleicht gerade deswegen. Der Ruf „In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!“, der am Schluß für dieses Ideal-Land ertönt, in welchem (laut Kleist!) Liebe, Verstehen, Verzeihung und Gnade eine so gewaltige Rolle spielten, richtet sich ebenfalls gegen die Starre und Indolenz der „Staatsraison“ und bildet eine schreckliche Dissonanz zu der Kabinettsorder eines diesem gelobten Lande Brandenburg vorstehenden Herrschers. [Henze spricht auf die Kabinettsorder vom 1. August 1828 an, mit der alle Aufführungen des „Prinz von Homburg“ in Brandenburg verboten wurden, A.d.R.] Es bedarf wohl kaum der Worte, um den schneidenden Doppelsinn zu erhellen. Er reicht, bedrohlich genug, bis in unsere Zeit hinein."
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