Hans Werner Henze

Hans Werner Henze

* 1. Juli 1926
† 27. Oktober 2012
Herkunftsland: Deutschland

In Kürze:

Being Beauteous
27. Oktober 2014 | Chiesa die San Gaetano - Bitonto - Italien

Being Beauteous
Dirigent: Andreas Luca Beraldo
31. Oktober 2014 | Hochschule für Musik, Kammermusiksaal - Mannheim - Deutschland

Profil

Wenn, wie es sich gehörte, die Musik den Menschen ein Allgemeingut wäre, gäbe es sicherlich weniger Aggression und viel mehr Gleichheit und Liebe auf der Welt; denn die Musik ist ja ein Verständigungsmittel, ein Versöhnungsstifter. (Hans Werner Henze)
 
Hans Werner Henze wurde am 1. Juli 1926 in Gütersloh geboren. Er begann seine musikalische Ausbildung an der Staatsmusikschule Braunschweig. Als Kind erlebte er die Angriffe der Nationalsozialisten auf die moderne Musik, Kunst und Literatur. Nach einer Verpflichtung als Korrepetitor am Stadttheater Bielefeld begann Henze 1946 ein Studium bei Wolfgang Fortner am Kirchenmusikalischen Institut in Heidelberg. In den späten 1940er Jahren kam er mit dem Serialismus und den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik in Berührung. Unglücklich über die mangelnde Aufarbeitung des Dritten Reichs in der Nachkriegsrepublik einerseits und den ästhetischen Dogmatismus in der neuen Musik andererseits verließ Henze 1953 nach Engagements am Theater Konstanz und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden seine Heimat und ließ sich in Italien nieder. Die räumliche und geistige Distanz zur deutschen zeitgenössischen Musikszene sowie die Erfahrungen in der Wahlheimat verhalfen seiner Musik zu neuem Ausdrucksreichtum.
In den späten 70er und 80er Jahren wandte er sich verstärkt traditionelleren Formen zu. 1962 bis 1967 unterhielt Henze eine Meisterklasse für Komposition am Mozarteum Salzburg, Lehraufträge führten ihn in die USA und nach Kuba. In Köln hatte Henze von 1980 bis 1991 eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Musik inne. Verpflichtungen als Composer in Residence führten ihn 1983 und 1988 bis 1996 ans Berkshire Music Center in Tanglewood/USA sowie 1991 zu den Berliner Philhamonikern. Bereits 1976 gründete Henze das Cantiere Internazionale d'Arte in Montepulciano. Im Jahr 1988 rief er die Münchener Biennale (Internationales Festival für neues Musiktheater) ins Leben, die er bis 1996 leitete.
 
Henzes Kompositionsschaffen ist sehr umfangreich: Er schrieb Solokonzerte, Sinfonien, Oratorien, Liederzyklen, Kammermusik. Mit seinen über vierzig Werken für Musiktheater wurde Henze zu einem der meist gespielten zeitgenössischen Komponisten unserer Tage. Bereits seine frühe Oper Ein Landarzt auf die gleichnamige Erzählung von Franz Kafka wurde 1953 in der Fassung als Rundfunkoper im Rahmen des „ Prix Italia“ ausgezeichnet. Das Wundertheater (1948/64), Boulevard Soltitude (1951), eine Vertonung des Manon Lescaut-Stoffes, König Hirsch (1953-56), Elegie für junge Liebende (1956/61, rev. 1987), Die Bassariden (1964/65, rev. 1992), Pollicino (1979/80) sowie das in den Jahren 2003/2005 revidierte „Verratene Meer“ (Gogo no Eiko, Urfassung 1986/89) gehören zu seinem vielfältigen Opernrepertoire. Mit Ingeborg Bachmann verband Henze eine enge Freundschaft; aus der gemeinsamen Arbeit entstanden unter anderem Der junge Lord (1964), Der Prinz von Homburg (1958/59, rev. 1991) sowie die Nachtstücke und Arien für Sopran und großes Orchester (1957).
 
Im Zentrum von Henzes Kompositionen für Orchester stehen die zehn Sinfonien. Von ihnen sei die Sinfonia N.9 für gemischten Chor und Orchester (1995-97) mit Versen von Hans-Ulrich Treichel nach dem Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers besonders erwähnt – ein eindringliches Beispiel für Henzes Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Die Sinfonia N.10 entstand als Kompositionsauftrag Paul Sachers und kam 2002 in Luzern durch das City of Birmingham Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle zur viel beachteten Uraufführung.
 
Von den zahlreichen Preisen, die Henze erhielt, seien hier stellvertretend genannt: 1990 der Ernst von Siemens-Musikpreis, 1995 die Ernennung zum Accademico Onorario der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Rom, 1997 die Hans von Bülow-Medaille der Berliner Philarmoniker, 1998 die Ernennung zum Honorary Fellow of the Royal Northern College of Music, Manchester, 2000 der Praemium Imperiale in Tokio, 2001 der Cannes Classical Award in der Kategorie „Best Living Composer“. 2003 folgte die Ernennung zum Chevalier der Légion d'honneur, Paris, sowie der Preis der Internationalen Sommerakademie Mozarteum „Neues Hören“ für gelingende Vermittlung Neuer Musik. Zahlreiche internationale Konzerthäuser widmeten Henze zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 2006 eigene Konzertreihen, darunter das Konzerthaus Dortmund und das Kungliga Filharmonikerna Stockholms Konserthus. 2007 wurde die Einspielung von Henzes Melodrama Aristaeus mit Martin Wuttke und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski (WERGO) mit dem Echo Klassik als „Weltersteinspielung des Jahres“ ausgezeichnet. Derzeit erscheint bei dem gleichen Label eine Serie mit allen zehn Sinfonien Henzes.