Barbara Heller

Barbara Heller

* 6. November 1936
Herkunftsland: Deutschland

In Kürze:

Choral
24. Januar 2015 | Luisencenter - Darmstadt - Deutschland

Profil

,,Musik ist eine sinnliche Erfahrung, der ich meine Struktur gebe”

,,Komponieren heißt für mich, (m)einen Filter zu finden für den permanenten Fluss der Klänge, innerer wie äußerer. Hin-Hören, Aus-Denken und Er-Finden von Musik ist wie Brückenbauen zwischen materieller und immaterieller Welt.” 

Barbara Heller stammt aus einer Restauratorenfamilie und wurde 1936 in Ludwigshafen am Rhein geboren. In Mannheim und München studierte sie Musik, war von 1958 bis 1962 Dozentin für Klavier an der Mannheimer Musikhochschule. Komposition studierte sie bei Hans Vogt in Mannheim und Harald Genzmer in München. 1963 war sie erstmals Stipendiatin in Siena und erhielt fortan mehrere Stipendien der ,,Internationalen Ferienkurse für Neue Musik” in Darmstadt, wo sie sich 1963 als freiberufliche Pianistin und Komponistin niederließ. Dort dokumentierte sie von 1970 bis 1975 den Nachlass des Darmstädter Komponisten Hermann Heiß und war zwischen 1986 und 1993 als Vorstandsmitglied im Institut für Musik und Musikerziehung aktiv.

1978 wurde Barbara Heller Gründungsmitglied des internationalen Arbeitskreises ,,Frau und Musik”, bis 1981 arbeitete sie im Vorstand mit, übernahm schließlich 1981 das Archiv. Sie kümmert sich seit 1976 mit großer Energie um das bis dahin vergessene Werk von Komponistinnen. Forschung, Lehrtätigkeit und editorische Arbeit nehmen breiten Raum ein. Sie wird zu Vorträgen und Rundfunksendungen eingeladen, um die Ergebnisse ihrer musikwissenschaftlichen Arbeit bekannt zu machen. So gibt sie u. a. Werke von Fanny Hensel-Mendelssohn heraus sowie Werke zeitgenössischer Komponistinnen. Diese Musik führt sie auch selbst auf – sowohl solistisch als auch in mehreren kammermusikalischen Besetzungen.

1989 beendet Barbara Heller ihre pianistische Arbeit und konzentriert sich ganz auf das Komponieren. Weitere Klavier- und Kammermusik sowie Lieder entstehen. Zeitweise arbeitet sie mit anderen KomponistInnen bzw. InterpretInnen zusammen, liebt Experimente und den Austausch mit anderen Künsten. So kommt es zu Projekten mit Malerinnen und Schauspielerinnen. Es entstehen Filmmusiken, Tonbandkompositionen und Klanginstallationen, die sie gemeinsam mit anderen Künstlern realisiert. In jüngster Zeit schreibt sie zwei Streichquartette und das Fagottquartett. Außerdem ist sie zunehmend mit Be- und Umarbeitungen früherer
Werke für wechselnde Besetzungen (meist Auftragsarbeiten von Interpreten) beschäftigt. Ihr Werk wird zunehmend offener und freier, sie verlässt die traditionell notierte Partitur und fordert in ihren Werken mehr denn je zu improvisatorischer Fantasie und interpretatorischer Freiheit auf. Es folgen Einladungen zu Porträtkonzerten im In- und Ausland.

2005 wird Barbara Heller der ,,Aloysia-Assenbaum-Gedächtnispreis” der GEDOK Heidelberg verliehen. 2006 erscheint das Buch ,,Begegnungen mit Barbara Heller” (hg. v. Ulla Levens, Wolke Verlag Hofheim/Ts.). Barbara Heller sucht im Odenwald und auf La Gomera immer mehr die Abgeschiedenheit der Natur als Ausgleich zu zeitweise hektischer Reisetätigkeit und dem temporeichen Großstadtleben. Dann konzentriert sie sich auf innere Kräfte, um aus dem Gleichklang mit der Natur die immer neue Ortung des eigenen Klangkosmos zu erfahren. Selbstbesinnung, auch Selbstvergewisserung, innere wie äußere Stille werden zusehends wichtiger. Dies fließt in ihre jüngsten Werke ein. Sie komponiert nun anders als vor fünfzehn Jahren, vertraut wenigen Klängen und zerlegt Melodien in kleinste Zellen – manchmal bis wenige Töne oder gar ein Intervall übrig bleiben. Sie vertraut Raum und Zeit, reduziert ihren Satz, bis er aller Effekte entkleidet ist und einen Extrakt – sie nennt es selbst ,,die Suche nach der Essenz der Musik” – stehen lässt. Dadurch entsteht oft ein archaischer Eindruck. Die Musik ist sehr meditativ geworden. Ein Ruhepol wird markiert, möglicherweise als Gegenentwurf zu unserer hektischen Alltagswelt.

Barbara Heller hat bis jetzt ein Werk von großer stilistischer Fülle vorgelegt, das weiter offen bleibt. Sie selbst hat viele Pläne…
Ihre Arbeitsweise hat sich fortwährend geändert, doch ihre Musik bleibt dem ewigen Fluss des Daseins verpflichtet und somit lebendig.

 

Dr. Anne Stegat, 2011

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