Pēteris Vasks

Pēteris Vasks

* 16. April 1946
Herkunftsland: Lettland

In Kürze:

Konzert
Dirigent: Anthony Marwood
12. Februar 2012 | Zeughaus - Neuss - Deutschland

Musica dolorosa
Dirigent: Awadagin Pratt
16. Februar 2012 | Carnegie Hall - New York, NY - Vereinigte Staaten von Amerika

Profil

Die meisten Menschen haben heute keinen Glauben, keine Liebe und keine Ideale mehr. Die geistige Dimension geht verloren. Ich will der Seele Nahrung geben. Das predige ich in meinen Werken. (Peteris Vasks)

Peteris Vasks wurde am 16. April 1946 im lettischen Aizpute geboren. Als Sohn eines in Lettland bekannten baptistischen Pastors erhielt Vasks zunächst Musikunterricht an der örtlichen Musikschule in Aizpute. Erste Kompositionen folgten sowie eine Ausbildung als Kontrabassist an der Emils Darzins Musikschule in Riga (1959-64). Bis 1970 besuchte Vasks die Kontrabassklasse von Vytautas Sereika am Litauischen Konservatorium in Vilnius und leistete anschließend seinen einjährigen Militärdienst in der Sowjetischen Armee. Bereits ab 1961 war er Mitglied verschiedener Sinfonie- und Kammerorchester: beim Philharmonischen Orchester von Litauen (1966 bis 1969), beim Philharmonischen Kammerorchester von Lettland (1969 bis 1970) und beim Lettischen Rundfunk- und Fernsehorchester (1971 bis 1974). Darüber hinaus studierte Vasks von 1973 bis 1978 bei Valentin Utkin Komposition an der lettischen Musikakademie in Riga. In den Folgejahren arbeitete er als Musiklehrer in Salacgriva, Zvejniekciems und Jelgava, seit 1989 unterrichtet er Komposition an der Emils Darzins Musikschule in Riga.

Während Vasks zur Sowjetzeit auf Grund seines Glaubens und seiner künstlerischen Überzeugungen den Repressalien der russischen Kulturdoktrin ausgesetzt war, haben die Werke des lettischen Komponisten in den vergangenen Jahren große Anerkennung gefunden. Eine zentrale Rolle in Vasks Schaffen spielt die Chormusik. Seine Instrumentalwerke werden weltweit von namhaften Künstlern aufgeführt und sehr häufig vertanzt.

Vasks Kompositionen greifen archaisch-folkloristische Elemente der lettischen Musik auf und setzen sie in eine spannungsreiche Beziehung zur zeitgenössischen Musiksprache. Oft tragen die Werke programmatische Titel, die sich auf Naturvorgänge beziehen. Dabei geht es Vasks nicht um rein poetische Lobpreisung der Natur oder eine plakative Landschaftsmalerei. Die vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen Natur und Mensch, die Schönheit des Lebens einerseits, aber auch die drohende ökologische und moralische Zerstörung der Welt sind die Themen, die Vasks in seinen Werken mit musikalischen Mitteln aufgreift. Vielfach zeigen sich Bezüge zur eigenen Biographie und der jüngsten leidvollen Geschichte des lettischen Volkes. Die 1977 entstandene Musik für wegziehende Vögel für Bläserquintett versteht sich als sehnsuchtsvolle Hoffnung auf eine von den Besatzern bis dato nicht gewehrte Reisefreiheit, während die Musica dolorosa für Streicher aus dem Jahr 1983 eine sehr persönliche Totenklage auf den Verlust der eigenen Schwester beschreibt.

Auch die drei Symphonien – 1. Symphonie für Streicher („Stimmen“, 1991), die 2. Symphonie (1998/99) für großes Orchester und 3. Symphonie (2005) für großes Orchester – versteht Vasks als Spiegel der jüngsten politischen Ereignisse in den baltischen Staaten und deren Auswirkungen auf Umwelt und Mensch. Schroffen, zerfahrenen Cluster- und Aleatorikklängen, die Bedrohung und Zerstörung symbolisieren, werden zarte Vogelrufimitationen der Bläser, volksliedhaft einfache Melodien – oft eingebettet in eine Moll-lastige Harmonik – sowie mystisch flirrende Streicherflächen entgegen gestellt. Wie schon in dem 1997 durch Gideon Kremer aufgeführten Violinkonzert Fernes Licht fehlt nie der Hinweis auf die Möglichkeit einer guten, „idealen Welt“ – ein Hauch musikalisch akzentuierter Hoffnung, der mitunter verheißungsvoll raumgreifende Dimensionen annimmt.

1996 wurde Vasks zum Main Composer des Stockholmer Festivals für neue Musik ernannt. Im selben Jahr erhielt er den Herder-Preis der Alfred Toepfer Stiftung sowie den Baltischen Assemblee Preis. Bereits dreimal wurde Vasks mit dem Großen Musikpreis Lettlands ausgezeichnet: 1993 für Litene, 1998 für Fernes Licht und 2000 für die 2. Symphonie. Seit 1994 ist Vasks Ehrenmitglied der Lettischen Akademie der Wissenschaften, seit 2001 Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie in Stockholm. 2002 wurde Vasks zum Ehrensenator der lettischen Kulturakademie Riga ernannt. 2005 erhielt die Einspielung des Violinkonzerts Fernes Licht und der 2. Symphonie den Cannes Classic Award. 2006 war Vasks Composer in Residence bei den britischen Festivals Presteigne und Vale of Glamorgan. Beim Label Wergo ist 2010 eine Gesamteinspielung des bereits 1980 begonnenen und 2009 vollendeten Klavierzyklus "DIe Jahreszeiten" erschienen.