Rodion Shchedrin

Rodion Shchedrin

* 16. Dezember 1932
Herkunftsland: Russland

In Kürze:

Levsha
Dirigent: Valery Gergiev
25. Oktober 2014 | Mariinsky Theatre - St. Petersburg - Russland

Boyarina Morozova
Dirigent: Valery Gergiev, performance on June 22
29. Oktober 2014 | Mariinsky Theatre - St. Petersburg - Russland

Profil

Bis zum heutigen Tag bin ich fest davon überzeugt, dass das Entscheidende für jeden Komponisten die Intuition ist. Problematisch wird es, sobald Komponisten dieser Intuition nicht mehr vertrauen, sondern musikalische "Religionen" wie den Serialismus, die Aleatorik, den Minimalismus oder anderes an diese Stelle setzen. (Rodion Shchedrin)

Rodion Shchedrin wurde am 16. Dezember 1932 als Sohn eines Komponisten und Musiklehrers in Moskau geboren. Er besuchte die Chorschule und studierte anschließend am Moskauer Konservatorium bei Jurij Schaporin (Komposition) und Jakow Flier (Klavier); 1955 schloss er seine Studien mit Auszeichnung ab. Trotz seiner Fähigkeiten als Konzertpianist entschied sich Shchedrin früh für eine Karriere als Komponist: Mit Anfang 20 schrieb er seine ersten ambitionierten Werke. 1958 heiratete er die Primaballerina Maja Plisetskaya. Der erste große Erfolg als Komponist stellte sich 1967 mit der Uraufführung des Balletts „Carmen Suite“ am Moskauer Bolschoi-Theater ein. Von 1964 bis 1969 war er Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium. 1968 weigerte sich Shchedrin einen offenen Brief zu unterzeichnen, der den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die damalige Tschechoslowakei befürworten sollte. Über ein Jahrzehnt war er Vorsitzender des Komponistenverbandes der Russischen Föderation als Nachfolger Dmitri Schostakowitschs und auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin. 1982 besuchte er erstmals den Münchener Klaviersommer. Mit dem Ende des diktatorischen Regimes in der Sowjetunion konnte Shchedrin, der nie Mitglied der KP war, endlich intensiv am internationalen Musikleben teilnehmen. Seit 1992 lebt der Komponist abwechselnd in München und Moskau.

Shchedrin ist es gelungen, unter Verwendung aller modernen Kompositionsverfahren – einschließlich aleatorischer und serieller Techniken – traditionelle und neue Formen miteinander zu verbinden. Seine Begeisterung für die russische Folklore und Kunstmusik, Dichtung und Literatur prägt sein Werk und macht ihn zu einem originär russischen Komponisten. Dies gilt insbesondere für das dritte und fünfte Konzert für Orchester, die Old Russian Circus Music (1989) und die Four Russian Songs (1998). Andere Instrumentalwerke sind Shchedrins Kenntnissen als Pianist geschuldet: die sechs Klavierkonzerte oder Klavier-Solostücke wie die Olli Mustonen gewidmeten Questions (Elf Stücke für Klavier) von 2003. Einige dieser Werke wurden von Shchedrin selbst als Solist zur Uraufführung gebracht. Besonders in den Kammermusikwerken zeigt der Komponist den kunstvollen Einsatz parodistischer Techniken. In Balalaika für Violine solo (1997) wird das Streichinstrument zum Ausgangspunkt einer Parodie auf experimentelle Spieltechniken und ein ins Absurde gesteigertes Virtuosentum.

Mit seiner Oper „Die toten Seelen“ (nach Gogol, 1976) und den Balletten „Anna Karenina“ (nach Tolstoi, Uraufführung 1972), „Die Möwe“ (1979) und „Dame mit Hündchen“ (beide nach Tschechow, 1985) brachte Shchedrin Klassiker der russischen Literatur auf die Musiktheaterbühne des Moskauer Bolschoi-Theaters. Die Oper Lolita setzt ebenfalls einen russischen Beitrag zur Weltliteratur in Szene: den gleichnamigen Skandalroman von Vladimir Nabokov. Das Libretto zu der 1994 in Stockholm uraufgeführten Oper stammt aus der eigenen Werkstatt des Komponisten. In den Vokalwerken Meine Zeit, mein Raubtier für Tenor, Erzählerin und Klavier (2002) nach Texten Ossip Mandelstams und der Choroper Boyarina Morozova (2006) prägt die Phrasierung der russischen Sprache die Musik – im erstgenannten Werk in Form einer kammermusikalisch stringenten Dramaturgie, im letzteren als groß angelegtes russisches Lebens- und Leidensdrama.

Rodion Shchedrin wurde vielfach mit Preisen und Auszeichnungen geehrt. 1983 wurde er Ehrenmitglied der Akademie der Schönen Künste der DDR, zwei Jahre später Ehrenmitglied des International Music Council sowie 1989 Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 1992 verlieh ihm Präsident Boris Jelzin Russlands Staatspreis für sein Chorwerk Der versiegelte Engel. Ein Jahr später erhielt Shchedrin den Dmitri Schostakowitsch Preis, 1995 den Crystal Award des World Economic Forums Davos. 2002 wurde er zum Composer of the year des Pittsburgh Symphony Orchestra ernannt. Im selben Jahr erhielt er den Russischen Staatsorden. 2005 wurde er Ehrenprofessor am St. Petersburger Konservatorium, 2008 am Zentralen Konservatorium Peking. „Für Verdienste um das Vaterland" wurde Rodion Shchedrin 2007 mit dem russischen Staatsorden 2. Klasse ausgezeichnet.