Profil
Bohuslav Martinu wurde am 8. Dezember 1890 in Policka an der böhmisch-mährischen Grenze geboren. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt und gefördert. Mit sieben Jahren erhielt er den ersten Geigenunterricht, wenig später begann er mit eigenen Kompositionsversuchen.
Bereits als Fünfzehnjähriger gab Martinu sein erstes Konzert in seinem Heimatort. Bis zum Eintritt in das Prager Konservatorium 1906 schrieb er zahlreiche Kammermusikwerke, die jedoch verschollen sind. In Prag studierte Martinu Violine und Orgel, wurde aber 1910 wegen "unverbesserlicher Nachlässigkeit" vom Konservatorium ausgeschlossen. 1912 legte er sein Violinlehrer-Diplom ab, im folgenden Jahr wurde er Mitglied der Tschechischen Philharmonie.
Als Komponist war Martinu in dieser Zeit ungeheuer produktiv. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges schrieb er etwa 120 Werke unterschiedlicher Gattungen. Insbesondere die Musik des französischen Impressionismus beinflusste Martinus kompositorisches Schaffen stark, aber auch die tschechische Volksmusik blieb für ihn stets eine wichtige Quelle der Inspiration.
1923 reiste Martinu nach Frankreich, wo er Kompositionsunterricht bei Albert Roussel nahm. Innerhalb der zwei Jahre währenden Lehrzeit bei Roussel entwickelte Martinu seine individuelle Handschrift. Zu Martinus ersten vollgültigen Werken sind "Half-Time für Orchester", das "2. Streichquartett" und das Orchesterwerk "La Bagarre" zu zählen. Diese Kompositionen, die dafür gesorgt haben, dass Martinu nach und nach auch internationale Bekanntheit erlangte, zeichnen sich vor allem durch polytonale Harmonik, polyphone Satzweise und rhythmische Vitalität aus.
Ab den späten 20er Jahren gewinnen Einflüsse der Jazzmusik in Martinus Werk immer stärker an Bedeutung. Das zeigen Kompositionen wie das "Sextett für Klavier und Bläser", die "Jazz-Suite", das Pasticcio "La Revue de Cuisine" oder das Ballett "Schach". Die experimentellsten Werke Martinus, die mit scharfen Dissonanzen angereichert sind und tonale Bezüge vermeiden, entstanden 1929 ("Phantasie für zwei Klaviere", "3. Streichquartett"). Diese Phase war jedoch nicht von langer Dauer, denn Martinu wandte sich in den frühen 30er Jahren dem Neoklassizimus zu, mit dem die Rückbesinnung auf traditionelle Formprinzipien einherging ("1.Cellokonzert", "Serenade" für Kammerorchester).
Als die deutschen Truppen 1940 Frankreich besetzten, sah sich Martinu zur Emigration in die Vereinigten Staaten gezwungen. Dort schrieb er auf Anregung Sergei Kussewitzkys noch 1941 seine "1. Sinfonie" und bis 1946 fünf weitere Sinfonien sowie zahlreiche Konzerte und Kammermusikwerke. Er lebte an verschiedenen Orten in den USA, blieb in seinen Kompositionen aber immer seiner tschechischen Heimat verbunden, wie unter anderem seine zahlreichen Liedkompositionen auf tschechische Texte belegen. Zwar wurde Martinu nach dem Krieg als Professor an das Prager Konservatorium berufen, die von Stalin veranlasste Neubildung der Regierung unter kommunistischer Führung verhinderte jedoch Martinus Rückkehr in seine Heimat. Erst 1953 kehrte er nach Europa zurück, lebte zwei Jahre in Nizza, wo er zwei seiner wichtigsten Werke schrieb (das Oratorium "Gilgamesh" und das Musikdrama "Griechische Passion"), dann in Rom und schließlich in der Schweiz. Er starb am 28. August 1959 in Liestal bei Basel.
Kalender
schott aktuell
Neue CDs und DVDs












