Lehrstück
Komponist: Paul Hindemith
Librettist: Bertolt Brecht
Englische Textfassung: Geoffrey Skelton
Text von Bertolt Brecht
Englische Textfassung von Geoffrey Skelton
Uraufführung: 28. Juli 1929 Baden-Baden, Stadthalle (D) Deutsche Kammermusik Baden-Baden 1929 · Josef Witt, erste Männerstimme; Oskar Kálmán, zweite Männerstimme; Gerda Müller-Scherchen, Sprecherin; Theo Lingen, Clown; Karl Paulsen, Clown; Benno Carlé, Clown · Dirigent: Alfons Dressel; Ernst Wolff · Musiker und Musikliebhaber; Blasorchester "Musikverein Lichtental" · Hugo Holles Madrigalvereinigung · Inszenierung: Bertolt Brecht · Kostüme: Heinz Porep · Bühnenbild: Heinz Porep
Orchesterbesetzung: in beliebiger Stärke und Zusammensetzung. Hohe, mittlere und tiefe Stimmen, jeweils auch geteilt. -
Fernorchester: 2 Trp. · 2 Flügelhr. · 2 Tenorhr. · 2 Pos. · Tb. (Erweiterungen oder Ersatz durch Hr., Sax., Baritonsax. od. einzelne Holzbläser sind möglich)
Personenbesetzung: erste Männerstimme (Flieger) · Tenor - zweite Männerstimme (ad lib. aus dem Chor) · Bariton od. Bass - Sprecher / Sprecherin - Tänzer / Tänzerin - drei Clowns - einzelne Sängerinnen und Sänger aus der Menge - Chor - Menge
Verlag: Schott Music
Aufführungsdauer: 50' 0''
Kompositionsjahr: 1929
Sprache: deutsch - englisch
Aufführungsmaterial - leihweise
Beschreibung
INHALT
Das abstrakte Lehrstück bildet das inhaltliche Pendant zu dem als Gemeinschaftswerk von Bert Brecht, Hindemith und Kurt Weill entstandenen Radiostück Der Lindberghflug. Wird im Lindberghflug am konkreten Beispiel des erfolgreichen Ozeanflugs des Amerikaners Charles Lindbergh die Beherrschung der Technik durch den Menschen gefeiert, so thematisiert das Lehrstück die grundsätzliche Problematik, mit welchen Konsequenzen ein Mensch zu rechnen hat, wenn er die Macht der Technik überschätzt und sich dadurch über andere erheben will. Im Versagen der Technik – symbolisiert durch den Absturz des Fliegers – muss er erkennen, dass Macht zum Untergang führt, wenn sie keinen Nutzen für die Allgemeinheit besitzt. Solche Überheblichkeit kann nur die Degradierung zum „Niemand“ und am Ende den Tod zur Folge haben.
KOMMENTAR
Im März 1929 äußerte sich Hindemith erstmals zu Plänen für eine „Art Volks-Oratorium“, das er mit Brecht erarbeiten wollte. Die Uraufführung im Rahmen der Baden-Badener Kammermusiktage 1929 zog – insbesondere wegen der sogenannten Clown-Szene und eines provozierenden Filmausschnitts – einen Skandal nach sich, der wesentlich dazu beitrug, dass Hindemiths Komposition rasch bekannt wurde. Nachdem Hindemith noch im Januar 1930 über eine weitere Zusammenarbeit mit Brecht verhandelt hatte, kam es im Lauf des Jahres zum endgültigen Zerwürfnis. Wie Hindemith im Vorwort zur Partitur formuliert hatte, betrachtete er das Stück als ein musikpädagogisches Experimentierfeld zu dem Zweck, „alle Anwesenden an der Ausführung eines Werkes zu beteiligen […].
Der in der Partitur angegebene Verlauf ist demnach mehr Vorschlag als Vorschrift. Auslassungen, Zusätze und Umstellungen sind möglich.“
Mit dieser Haltung lief Hindemith Brechts politisch- gesellschaftlichen Intentionen zuwider, die dieser mit dem Genre Lehrstück anstrebte. In der Folge distanzierte sich der Dichter vehement von der Fassung der Uraufführung und publizierte wenig später eine in ihrer politisch-gesellschaftlichen Aussage veränderte Version des Stücks unter dem Titel Das Badener Lehrstück vom Einverständnis. Die einfache, lapidar-plakative und dabei eindringliche Musik des Lehrstücks entspricht Hindemiths Forderungen nach niveauvoller Gebrauchsmusik, die er in den späten 1920er Jahren aufgestellt hatte. Dem Charakter des intendierten „Gemeinschaftsspiels“ entsprechend sind Details der Besetzung bewusst offengelassen. (S. Sch.-G.)
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