Ahasver

Komponist: Volker David Kirchner
Librettist: Volker David Kirchner

oder Die Besichtigung eines Zeitalters

Szenisches Oratorium
Text vom Komponisten

Uraufführung: 9. Mai 2001 Bielefeld, Stadttheater (D) · Inszenierung: Andrej Woron
Orchesterbesetzung: 3 (2. u. 3. auch Picc.) · 2 · Engl. Hr. · 3 (3. auch Bassklar.) · 3 (3. auch Kfg.) - 4 · 3 · 3 · 1 · Kb.-Tb. - P. S. (Glsp. · Crot. · Xyl. · Vibr · Trgl. · Almgl. · Röhrengl. · Plattengl. · Rin · Becken [h./m./t.] · Tamt. [t.] · Rührtr. [basso] · gr. Tamb. [ohne Schnarrs.] · Cong. · 4 Tomt. · kl. Tr. · gr. Tr. · Tumba · Holzbl. · Lithophon · Sandbl. · 2 Tubaphone · Dose [mittelgr., mit Nägeln u. Schrauben gefüllt]) - Hfe. · Klav. (auch Cel.) - Str. - Tonband (von den Ausführenden zu erstellen)
Personenbesetzung: Ahasver · Bass - Jesus · Bariton - Knabenstimme · Sopran - Simon Petrus · Bass - Großinquisitor · Bass - 1. Mann · Tenor - 2. Mann · Bass - 3. Mann · Bass - alter Mann · Bass - Mönch · Sprechrolle - Gutenberg · Bariton - Volk · großer Chor [SATB] - Chorsoli [SSA] - Männerchor - Flagellanten [TB]
Verlag: Schott Music
Aufführungsdauer: 100' 0''
Kompositionsjahr: 1998/2000
Ausgabe: Dirigierpartitur
Sprache: deutsch
Aufführungsmaterial - leihweise

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Beschreibung

Die Legende berichtet von einem Türhüter des Pilatus namens Ahasver, der dem kreuztragenden Jesus eine Rast auf seiner Türschwelle verweigert haben soll. Zur Strafe wird Ahasver gezwungen, bis zum Jüngsten Tag durch die Welt zu irren – ohne Heimat, ohne Ziel, doch zu immerwährendem Leben verdammt. Die Geschichte vom „ewigen Wanderer“ wurde zu einem ebenso zentralen wie viel gestalteten Mythos der Neuzeit. Die Liste der Bearbeitungen reicht von Goethe und Heine bis zu Wagners Fliegendem Holländer.

Stand bei Wagner noch die romantische Erlösungsidee im Vordergrund, so geht es Kirchner um die politische Stellungnahme. Ahasvers Weg führt bei ihm durch die Epochen der Neuzeit und gestattet einen illusionslosen Blick auf deren geschichtlichen Fortgang. In neun Szenen und einem Epilog, unterbrochen von acht weitgehend monologischen „Nachtwachen“, schildert der Komponist in einem historischen Bilderbogen die unaufhörliche Suche nach Heimat, Identität und spiritueller Erfüllung. Immer wieder stößt die Hauptfigur Ahasver in konkreten historischen Begegnungen – unter anderem mit Johannes Gutenberg und Martin Luther – auf eine unüberwindliche Mauer aus Fremdenhass und ideologischer Verblendung. Im Epilog widerfährt Ahasver das Schicksal heutiger Einwanderer. Als Nummer, jeglicher Individualität beraubt, reiht er sich ein in die anonyme Masse menschlicher Leidensgestalten.

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