Peter Pan
Komponist: Wilfried Hiller
Dichter der Textvorlage: James Matthew Barrie
Deutsche Textfassung: Erich Kästner
Eine musikalische Abenteuerreise in drei Akten, einem Vor- und einem Nachspiel
nach dem Kinderbuch von James Matthew Barrie in der deutschen Übersetzung von Erich Kästner
(Trilogie der Träume II)
Auftragswerk: Auftragswerk der Bayerischen Theaterakademie im Prinzregententheater
Uraufführung: 29. November 1997 München, Prinzregententheater (D) · Dirigent: Werner Seitzer · Inszenierung: August Everding · Kostüme: Ines Nagel · Bühnenbild: Martin Kinzlmaier · Veranstalter: Bayerische Theaterakademie (szenische Aufführung)
Orchesterbesetzung: 1 (auch Picc. u. Panfl. ad lib.) · 0 · 2 (1. auch Es-Klar., 2. auch Bassklar.) · 0 - 0 · 1 · 1 · 0 - S. (Glsp. · Xyl. · 2 Trgl. · 2 hohe Beck. · 1 Nietenbeck. · gr. Tamt. · Schellentamb. · 5 Tomt. · Rototoms · sehr kl. Tr. · kl. Tr. · gr. Tr. · gr. Rahmentr. · 3 Tempelbl. · 2 Woodbl. · 2 Cong. · Schellenbaum · Vibraslap · Guiro · Zanza · Peitsche · Windmasch. · Röhrengl. · Buckelgongs · Zimb. · Dobaci · gestimmte Weingläser · Melodica) (1 Spieler) - Clavinet - Vl. (solistisch od. chorisch) · Vc. (solistisch od. chorisch) · Kb. -
Zusatzinstrumente für die Personen auf der Bühne: Panfl. · Tempelbl. · Türglocke · Rahmentr. · Flügel · Holzhammer · gerippte Holzstäbe · Nähmaschine
Personenbesetzung: Mary Darling / Tigerlilly · Sopran - George Darling / Kapitän Haken · Bariton - Wendy Moira Angela Darling · Soubrette - John Darling · Knabensopran (rauhes Timbre) - Michael Darling · Knabensopran - Peter Pan · Mezzosopran - Die verlorenen Jungens: Bisschen, Tütchen, Spitzchen, Löckchen, Zwilling I, Zwilling II · 6 gleiche Stimmen (Knabensoprane, Tenöre, Baritone) - Die Seeräuber: Bootsmann Smy · Tenor; der feine Starkey · Tenor; Bill Jux · Bariton; Cecco · Bariton; Oberlicht · Bass; Schafskopf · Bass - Die Rothäute (Stamm der Rotznasen) · Kindertanzgruppe - Klingklang, eine Fee - das Krokodil
Verlag: Schott Music
Aufführungsdauer: 90' 0''
Kompositionsjahr: 1995/1996, rev. 1998
Sprache: deutsch
Aufführungsmaterial - leihweise
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Beschreibung
Wer kennt sie nicht, die Geschichten um Wendy und ihre Brüder, die sich vom geheimnisvollen Peter Pan ins Nimmerland entführen lassen, das bevölkert ist von finsteren Piraten unter dem Kommando des noch finsteren Kapitän Haken, von blutrünstigen Indianern und deren Anführerin Tigerlilly, von einer eifersüchtigen Elfe, von einem Krokodil, das einen Wecker verschluckt hat – und nicht zuletzt von einer Schar Jungen, die mit ihrem Anführer Peter Pan eines gemeinsam haben: sie werden nie erwachsen! Die Geschichten, die ihren „Erfinder“ James Matthew Barrie weltberühmt machten und die Erich Kästner kongenial ins Deutsche übersetzte, waren Wilfried Hillers Vorlage für die Oper „Peter Pan“, mit der er kleinen und großen Opernfans seinen Weg ins Nimmerland, das Reich der Phantasie und der ewigen Kindheit weist.
„Die Idee zum PETER PAN liegt sehr lange zurück. Schon Anfang der achtziger Jahre habe ich Michael Ende – vergebens – gefragt, ob er nicht Lust hätte, mit mir gemeinsam ‚Peter Pan’ zu machen. Heute ist mir klar, dass ihm die Geschichte viel zu nahe war. Michael Ende war identisch mit der Figur des Peter Pan. Er ist bis zu seinem Tode der Junge geblieben, der nicht erwachsen werden wollte, der seine Kinderbücher für sich selber schrieb. Im Auftrag von Staatsintendant August Everding sollten wir für die Eröffnung des Prinzregententheaters 1997 eine Kinderoper schreiben und hatten bereits Ideen zu einem Stoff nach einer Geschichte von Friedrich de la Motte-Fouqué und Robert Louis Stevenson; die schwere Erkrankung von Michael Ende und sein Tod am 28. August 1995 verhinderten eine Ausarbeitung dieser Idee. Als mich dann später das Prinzregententheater daran erinnerte, dass ich noch eine Oper ‚gut hätte’, fiel mir der PETER PAN wieder ein. Everding inszenierte seinerzeit in Chicago; als man ihm faxte, dass ich PETER PAN in der Übersetzung von Erich Kästner komponieren wolle, schrieb er zurück: ‚Ich weiß auch schon, wer das Inszeniert.’ […]
Für mich ist es eine Geschichte des Erwachsenwerdens. Die Kinder haben sich in ihren Träumen die Erwachsenen so vorgestellt, wie sie sie gerne hätten. Der Vater, der immer auf dem Büroschemel sitzt, ist plötzlich der große Seeräuber-Kapitän, die Mutter wird zu Tigerlilly. Ich glaube, dass vieles den Kindern Spaß macht: die Wildheit, die Indianer, die bösen Seeräuber oder der Wettkampf. Und die Erwachsenen werden sich wieder andere Dinge herausnehmen. Denn ich bin der festen Meinung, dass Musiktheater für Kinder nicht gut ist, wenn es nur für Kinder ist. Es muss tatsächlich auch für Erwachsene sein, die sich eine gewisse Jugendlichkeit hinübergerettet haben. […]
Ganz wesentlich war, dass nicht nur das, was wir in der Realität erleben, existiert, sondern dass es darüber hinaus auch eine andere Wirklichkeit gibt. Anfang und Schluss des Werkes sind diese realen, etwas spießigen Welten. Und in der Mitte kommt dann diese Phantasie, diese Traumwelt. Zwischen diesen beiden Ebenen gibt es ein Bindeglied: die Fee Klingklang, eine Figur, die zwischen Himmel und Erde schwebt, nicht mehr als ein Lichtpünktchen. Ich hatte hier ein musikalisches Vorbild: Olivier Messiaen, der sich fünfzig Jahre seines Lebens intensiv als Vogelkundler beschäftigt und überall, wo er war, die Vogelstimmen aufgezeichnet hat. Für ihn waren die Vögel immer eine Verbindung von Himmel und Erde. Ich habe versucht, diese Elemente in meine Sprache zu übersetzen. Klingklang ist im Grunde ein Vogel, der zwischen Himmel und Erde, zwischen Realität und Traumwelt schwebt. […]
Bei PETER PAN habe ich versucht, englische und schottische Volkslieder in meine Musiksprache zu kleiden. Sie geben sozusagen den akustischen Rahmen für die Szene. Das Kuriose war: ich habe mir ursprünglich die Melodien nach ihrer melodischen und harmonischen Qualität ausgesucht. Dann sah ich, dass es allesamt Flötenmelodien sind; und das fand ich natürlich sehr schön, weil Peter Pan immer, wenn er allein ist, auf seiner Panflöte spielt. Peter Pan besiegt Haken in der Oper nicht mit dem Schwert, sondern mit seiner Musik. Er hat plötzlich keine Lust mehr, mit diesem Kerl zu kämpfen – er setzt sich hin und spielt. Das ist etwas, was durch alle meine Stücke geistert: dass man mit Musik mehr Macht ausüben kann als mit Krieg und Gewalt.“ (Wilfried Hiller, Ausschnitte aus einem Gespräch mit Dr. Isolde Schmid-Reiter, zitiert nach: Programmheft der Wiener Staatsoper, Saison 2000/01, Wien 2000)
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