ad absurdum

Komponist: Jörg Widmann

Konzertstück für Trompete und kleines Orchester

Widmung: für Sergei Nakariakov
Uraufführung: 18. Januar 2006 Essen, Philharmonie, Alfried Krupp Saal (D) · Sergei Nakariakov, Trompete · Dirigent: Christoph Poppen · Münchener Kammerorchester
Orchesterbesetzung: 2 (2. auch Picc.) · 0 · 0 · Bassklar. · Kb.-Klar. · 1 · Kfg. - S. (Xylorimba bzw. Xyl. · Trgl. · chin. Beck. · Peking-Oper-Gong · 2 hohe Tamburims [unterschiedlich hoch] · 6 Pedalpauken [b e d c AS D] · 5 Holzbl. übereinander) (1 Spieler) - 1 Drehorgel - Str. (6 · 5 · 4 · 3 · 1 [mit 5. Saite H])
Verlag: Schott Music
Aufführungsdauer: 17' 0''
Kompositionsjahr: 2002
Ausgabe: Partitur
Aufführungsmaterial - leihweise

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Beschreibung

Parallel zu meinen Orchesterstücken der letzten Jahre, die immer gesanglicher und epischer wurden, gibt es eine ganz andere Linie von Werken, die sich der „leichteren“, knappen, humoristischen Tradition des „Konzertstücks“ verpflichtet fühlen: ein Soloinstrument prall auf ein klein besetztes Orchester, auf engem Raum werden in heiterem Tonfall die Protagonisten in immer ausweglosere Situationen ad absurdum geführter Virtuosität gehetzt. Was in meiner sehr frühen „Kreisleriana“ für Violine und Orchester noch als Spiel kontrastierender Teile begann, ist in „ad absurdum“ zu einem einzigen Gestus, einem ununterbrochenen Sechzehntel-Puls kondensiert worden.

Das Stück beginnt bereits an einem Endpunkt: das Tempo ist so hoch, dass es unmöglich gesteigert werden kann; was mich daran interessiert, ist der Punkt, an dem die herkömmliche Virtuosität umschlägt in eine akustische Grauzone, in der schnell aufeinander folgende Punkte bereits als Fläche wahrgenommen werden. Eigentlich negativ besetzte Phänomene wie „Leer-Laufen“, „Sich-Totlaufen“ sollen hier auf ein womöglich neues Potenzial untersucht werden.

Der Trompetenpart, eigens für Sergei Nakariakov geschrieben, ist zwar (ähnlich dem Orchesterpart) fast bis zur Unspielbarkeit virtuos, bietet aber im Wortsinne bewusst keine Ent-wicklungsmöglichkeiten. Der Trompeter als Spielmacher, der die Höchstgeschwindigkeit gleich zu Beginn spielerisch exponiert, selbst jedoch in der Bewegung seltsam starr um sich selbst kreist, letztlich in der eigenen Virtuosität gefangen bleibt, daran erstickt.
Virtuosität also nicht mehr als romantische Vorstellung einer Loslösung von der Schwerkraft, einer Befreiung von Fesseln, sondern als Fesselung manisches Kreisen in einem selbstgebauten Käfig – ad absurdum.

Jörg Widmann, im November 2005

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