Mit Nachdruck

Herausgeber: Rainer Nonnenmann
Generalherausgeber: Rolf W. Stoll

Texte der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik

Verlag: Schott Music
Sprache: deutsch
Reihe: edition neue zeitschrift für musik
Serie: Neue Zeitschrift für Musik
344 Seiten - Hardcover
ISBN: 978-3-7957-0321-9
Bestell-Nr.: NZ 5024

Preis: 24,95 €
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Beschreibung

Kaum anderswo wurde die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs entschiedener mit dem Willen zu künstlerischem Neuanfang beantwortet als bei den Kranichsteiner bzw. ab 1948 den Darmstädter Ferienkursen, die schnell zu einem internationalen Laboratorium und Zent­rum der kompositorischen und interpretatorischen Erneuerung wurden. Fortan galt Darmstadt in Sachen Musik jahrzehntelang als Inbegriff von Avantgarde.

Als Hochburg der Theoriebildung des zeitgenössischen Musikschaffens waren die Ferienkurse einer der wenigen regelmäßigen internationalen Austragungsorte für Debatten über neue technische Entwicklungen und ästhetische Fragen, an denen sich von Anfang an in gleicher Weise sowohl Komponisten und Interpreten als auch Musikwissenschaftler, Theoretiker, Techniker, Journalisten, Musikästhetiker und Philosophen beteiligten. Viele der bei den Ferienkursen gehaltenen Vorträge erwiesen sich entweder direkt oder rückwirkend als Schlüsseltexte.

Eine Auswahl dieser Texte versammelt der von Rainer Nonnenmann herausgegebene Band. Die Beiträge erscheinen dabei in fünf thematischen Kapiteln: Kritik und Selbstkritik, Theorie und Praxis, Zufall und Indetermination, Sprache als Musik sowie Natur, Struktur, Wahrnehmung. Sämtliche Texte wurden mit Kurzkommentaren versehen, die die Vorträge in ihren ursprünglichen Zusammen­hang einordnen oder ihre Bedeutung und Wirkungsgeschichte herausstellen.

Pressestimme:

«… Nonnenmann bemüht sich, verschiedene Diskurslinien aus der Geschichte der Ferienkurse herauszulesen, die unter anderem dem Materialbegriff, der Debatte um Zufall und Determination oder dem Zusammenhang zwischen Musik und Sprache gelten. Dabei ist es Nonnenmann gelungen, Grundsätzlichkeiten, die Theodor W. Adorno oder Carl Dahlhaus ausarbeiteten, mit der partikulären Ästhetik einzelner Komponisten in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. ‹Mit Nachdruck› ist also nicht einfach ein ‹Best of› der Ferienkurse, auch wenn Boulez’ Attacken gegen John Cage, Nonos Abschiedsvortrag oder Wolfgang Rihms Invektiven gegen das ‹Markendenken› des Musiklebens natürlich zu den bestens überlieferten Sternstunden der Darmstädter Rankünen gehören. … 
Nonnenmann hat die Texte umsichtig kommentiert und nicht nur etwas über die Biographie der Vortragenden zusammengetragen, sondern jeweils auch die zentralen Thesen der Texte zusammengefasst und, die wohl wichtigste Ergänzung, ihren Entstehungszusammenhang und ihre Wirkungsgeschichte eruiert. Nonos Text von 1959 liest sich anders, wenn man weiss, dass er in diesem Sommer mehrfach mit Stockhausen aneinandergeriet und die Ferienkurse hernach nicht mehr besuchte; Cage wird verständlicher, wenn man weiss, dass er aufgrund seiner US-amerikanischen Herkunft mehrfach übel als kulturloser Banause angegangen worden ist. Hin und wieder ist man auch vom Humor und anderen Niedlichkeiten entzückt, wenn Adorno von der Wahrheit der Gymnastikmädchen spricht, die ‹sich weigern, die Technik des Tanzens zu erlernen, um ihre Persönlichkeit nicht einzubüßen›. Oder wenn Mauricio Kegel sein Plenum mit der Frage ‹Wollt ihr das totale Theater?› provoziert, um dann über Sinn und Nutzen einer ‹sauberen Musik› zu referieren.»
Björn Gottstein in: DISSONANCE 112 (Dezember 2010)

«Ein Who’s Who der neuen Musik (Herausgeber Nonnenmann: ‹Bauhaus der Musik›) geben die Darmstädter Ferienkurse. Alle Namen, die seit den fünfziger Jahren die neue Musikszene prägten, sind in diesem Sammelband vereint. Das Wortspiel ‹Mit Nachdruck› meint auch die formale Seite der stattlichen Edition: Zu lesen sind Originaltexte von Adorno bis Helmut Lachenmann, neben den Komponisten auch Carl Dahlhaus oder Heinz-Klaus Metzger, innerhalb von fünf Themenkomplexen chronologisch geordnet (1957-1990) und jeweils mit Foto samt werkbiografischem Kommentar versehen. Ein wahres Abenteuerbuch zum Blättern, Sich-fest-Lesen und Sich-Vertiefen.»
Herbert Glossner in positionen 87 (Mai 2011)

Inhalt

Rainer Nonnenmann: Ein Bauhaus der Musik. Texte aus den «Darmstädter Beiträgen zur Neuen Musik»
1. Kritik und Selbstkritik
Theodor W. Adorno: Kriterien [der neuen Musik] (1957)
Carl Dahlhaus: Politische und ästhetische Kriterien der Kompositionskritik (1972)
Vinko Globokar: Das Verhältnis von Natur und Kultur als kompositorisches Problem (1974)
Carl Dahlhaus: Abkehr vom Materialdenken? (1982)
Gianmario Borio: Material; zur Krise einer musikalischen Kategorie (1990)
2. Theorie und Praxis
Henri Pousseur: Theorie und Praxis der neuesten Musik (1958)
Karlheinz Stockhausen: Musik im Raum (1958)
Heinz-Klaus Metzger: Hommage à Edgard Varèse (1959)
György Ligeti: Form in der Neuen Musik (1965)
Mauricio Kagel: Neuer Raum; Neue Musik. Gedanken zum Instrumentalen Theater (1966)
Mathias Spahlinger: gegen die postmoderne mode; zwölf charakteristika der musik des 20. jahrhunderts (1988)
3. Zufall und Indetermination
Pierre Boulez: Alea (1957)
John Cage: Zur Geschichte der experimentellen Musik in den Vereinigten Staaten (1958)
Luigi Nono: Geschichte und Gegenwart in der Musik von heute (1959)
4. Sprache als Musik
Luciano Berio: Musik und Dichtung; eine Erfahrung (1958)
Hans G Helms: Komposition in Sprache (1964)
Dieter Schnebel: Sprech- und Gesangsschule (Neue Vokalpraktiken) (1969/72)
5. Natur, Struktur, Wahrnehmung
Peter Michael Braun: Ein Weg zur Freiheit (1974)
Johannes Fritsch: [Violectra, Sul G, Radiostück 1] (1974)
Brian Ferneyhough: Epicycle, Missa Brevis, Time and Motion Study III (1976)
Wolfgang Rihm: Der geschockte Komponist (1978)
Hans-Jürgen von Bose: Suche nach einem neuen Schönheitsideal (1978)
Gérard Grisey: Zur Entstehung des Klanges … (1978)
Helmut Lachenmann: Dialektischer Strukturalismus (1990)
Textnachweise
Bildnachweise

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