Werk der Woche - Paul Hindemith: Sancta Susanna

Mit Sancta Susanna feiert eines der größten Skandalstücke der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts am Samstag, dem 28. Januar 2012, seine Premiere. An der Opéra Lyon wird der Einakter von Paul Hindemith unter der Leitung von Bernhard Kontarsky aufgeführt.

Die fromme und unablässig betende Nonne Susanna wird von ihrer Mitschwester Klementia ermahnt, sich ihrer Leiblichkeit bewusst zu werden. In einer warmen Mainacht erinnert sich diese an Schwester Beata, die unbekleidet das Bild des gekreuzigten Jesu geküsst hat und deswegen bei lebendigem Leibe eingemauert wurde. Immer stärker steigert sich Susanna in eine mystische Verzückung. Sie entledigt sich ihrer Gewänder und reißt dem Gekreuzigten das Lendentuch vom Leibe. Als sie von den anderen Nonnen entdeckt wird, fordern diese die gleiche Strafe wie einst für Beata. Doch "aufgerichtet, in unberührter Hoheit" will sich Susanna der Strafe widersetzen.

Hindemith formt ein musikalisches Abbild der Zwänge und Einschränkungen des Lebens hinter den Klostermauern. Dabei wird die klösterliche Welt mit starren Klängen und einförmiger Dynamik dargestellt; hingegen wird Susannas erwachende Sinnlichkeit mit ausholenden Melodielinien und einer glitzernden Klangpracht musikalisch ausgearbeitet.

In seiner Kritik zur Uraufführung im Jahr 1922 in Frankfurt schreibt Theodor W. Adorno:

In Sancta Susanna wird aus einem Thema alles, was musikalisch überhaupt geschieht, herausentwickelt; einem Thema, dessen emotionale Kraft nicht einem Individuum, nicht einer Stimmung, sondern schlechthin dem irrationalen Grundgeschehen dieser Oper gilt.

Das Hindemith-Institut Frankfurt hat kürzlich eine Sonderausgabe seines Magazins "Hindemith-Forum" zu Sancta Susanna veröffentlicht. Wenn Sie daran interessiert sind, schreiben Sie uns an infoservice@schott-music.com - wir schicken Ihnen gerne gratis ein Exemplar zu.

In Lyon ist Sancta Susanna außerdem am 31. Januar, 5. Februar und 9. Februar 2012 zu sehen. Auch deutsche Opernfans müssen nicht mehr lange auf eine Aufführung warten. Am 22. und 23. April 2012 wird der Einakter in der Berliner Philharmonie gespielt.

Foto: Theater Ulm / Jochen Klenk

(23.01.2012)



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