Lear von Aribert Reimann feiert Premiere in Hamburg
Aribert Reimanns Oper Lear gehört unbestritten zu den Meilensteinen der Operngeschichte des 20. Jahrhunderts. Am Sonntag, dem 15. Januar 2012, feiert sie Premiere an der Hamburgischen Staatsoper. Das Meisterwerk des Berliner Komponisten wird nun mit einer Inszenierung von Karoline Gruber und Bo Skovhus in der Titelrolle des König Lear präsentiert. Kaum ein Stück des zeitgenössischen Musiktheaters hat eine solche Erfolgsbilanz vorzuweisen. Seit der Uraufführung 1978 in München erlebte die erfolgreichste Shakespeare-Oper unserer Zeit über 30 Neuinszenierungen im In- und Ausland.
Der alte König Lear ist des Herrschens müde geworden und will das Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Diejenige, die dem Vater die größte Zuneigung erweist, soll das größte Gebiet erhalten. Goneril und Regan, die beiden Älteren, entfachen einen heuchlerischen Wettkampf um die Gunst des Vaters. Nur Cordelia, die Jüngste und Aufrichtigste, lässt sich davon nicht anstecken. Der Vater verstößt sie. Die Machtbesessenheit der beiden älteren Töchter schlägt bald in Kälte und Herzlosigkeit gegenüber dem Vater um und treibt diesen zur Flucht.
Meisterhaft zeichnet der Komponist musikalisch die psychischen Abgründe seiner Figuren. Eindringlich setzt er die Wechsel von Machtgier, Wahn, Brutalität, Verzweiflung und Einsamkeit klanglich um. Doch neben den nachtschwarzen Klangballungen und schreienden Clustern stehen auch zarte melodische Kurven, sanfte instrumentale Beschwichtigungen, traumverlorene Monologe. Hier heilt die Musik jene Wunden, die aus der Brutalität der Handlung geschlagen werden.
Bereits am Vorabend der Premiere in Hamburg, dem 14. Januar 2012, ist Aribert Reimann zu einem Gespräch mit Kerstin Schüssler-Bach an der Staatsoper zu Gast. Am Freitag, dem 13. Januar 2012, beginnt außerdem ein Wochenend- Kompaktseminar zu Reimanns Oper. Diplomregisseur Volker Wacker macht die besonders Interessierten mit Stoff, Musik und Inszenierung vertraut. Lear ist bis zum 3. Februar 2012 an sechs weiteren Terminen an der Hamburgischen Staatsoper zu sehen.
Foto: © Hamburgische Staatsoper / Brinkhoff-Mögenburg
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