Werk der Woche - Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten

Am 9. November präsentiert das Muziektheater in Amsterdam die Premiere von Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten. Das Werk wird in der erfolgreichen und viel gerühmten Dresdner Produktion von Willy Decker (Regie), Wolfgang Gussmann (Bühnenbild) und Frauke Schernau (Kostüme) aufgeführt, die u.a. 2008 im New National Theatre in Tokio zu sehen war. Die Musikalische Leitung hat Hartmut Haenchen; für die Choreographie ist Kimiko Hulbert verantwortlich.
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Die Soldaten (1957-65) gilt als eine der wichtigsten Opern des 20. Jahrhunderts. Trotz der Schwierigkeiten, die sich aus der überdimensionierten Besetzung (großes Orchester, Schlagzeugensemble, Jazzcombo, Zuspielbänder, 16 Solisten und Chor) ergeben, konnte sich das zunächst als "unspielbar" geltende Werk international durchsetzen. Dies mag nicht zuletzt an Zimmermanns kongenialer Umsetzung des gleichnamigen, zeitlosen Dramas von Jakob Michael Reinhold Lenz liegen. Den Komponisten interessierte an der literarischen Vorlage besonders die psychologische Zwangslage der beschriebenen Soldaten:
Nicht das Zeitstück, das Klassendrama, nicht der soziale Aspekt, nicht auch die Kritik an dem Soldatenstand (zeitlos vorgestern wie übermorgen) bildeten für mich den unmittelbaren Beziehungspunkt, sondern der Umstand, wie alle Personen der 1774-75 von Lenz geschriebenen Soldaten unentrinnbar in eine Zwangssituation geraten, unschuldig mehr als schuldig, die zu Vergewaltigung, Mord und Selbstmord und letztenendes in die Vernichtung des Bestehenden führt. (Zimmermann)
Bei der musikalischen Umsetzung der durchkomponierten Oper bedient sich Zimmermann einerseits der Zwölftontechnik, andererseits traditioneller Formen wie Chaconne, Ricercar, Toccata, Capriccio, Choral, Nocturne und Rondo. Ein besonderes Element des Werkes ist seine Erzählweise in Collagetechnik. In Simultanszenen lässt Zimmermann mehrere Parallelaktionen gleichzeitig stattfinden.
Die Essenz dieser Szenen wird in Deckers Inszenierung stets geschickt herausgefiltert und so die drohende Gefahr einer chaotischen Wirkung raffiniert vermieden. Der Regisseur unterstreicht die Eigenschaften der Personen mit klarer Farbgebung: ein blutiges Rot für die Soldaten, unschuldiges Weiß für das Bürgermädchen Marie, ein falsches Gelb für die Gräfin de la Roche. Aber auch in den Details arbeitet die Inszenierung mit wirkungsvoller Symbolik. So signalisieren überdimensionale bzw. winzige Stühle Verzerrung und Unangemessenheit. Durch dieses abstrahierende und ordnende Regiekonzept kommt die Musik bestens zur Geltung.
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