Werk der Woche - Hindemith: Theme with four Variations

In den letzten Wochen haben wir Ihnen mit Scènes de Ballet von Igor Strawinsky, Awakenings von Tobias Picker und nach Hause von Benjamin Schweitzer in dieser Rubrik das Ballett-Repertoire bei Schott vorgestellt. Paul Hindemiths Tanzklassiker Theme with four Variations (according to the four Temperaments), schließt diese kleine Reihe nun ab. Am 14. Oktober feiert das Werk Premiere am Theater Duisburg. Das Ballett am Rhein wird musikalisch von den Duisburger Philharmonikern unter Christoph Altstaedt und Pianist Paolo Alvares unterstützt. Getanzt wird George Balanchines Originalchoreographie von 1946 in Kostümen nach den Originalentwürfen von Kurt Seligmann.
Ursprünglich war Hindemiths Musik für den russischen Tänzer und Choreografen Léonide Massine vorgesehen gewesen, doch nach Uneinigkeiten über konzeptionelle Fragen entschied sich Hindemith gegen diese Zusammenarbeit. Glücklicherweise kam eine Verbindung mit dem legendären Choreographen George Balanchine zustande, aus der die Vollendung des Werkes für die American Ballet Company, der Vorgänger-Compagnie des New York City Ballet, hervorging.
Die Idee hinter der Musik und dem Tanz ist die Darstellung der klassischen menschlichen Temperamentelehre. Die Vorstellung, dass vier unterschiedliche Körpersäfte den menschlichen Körper regieren, stammt aus dem antiken Griechenland. Sind die Flüssigkeiten in einem ausgeglichenen Verhältnis, so sei dies für die Verfassung des Menschen vorteilhaft, nahm man an. Dominiert einer der Säfte, entwickelt der Mensch entsprechende Charakterzüge. Die vier klassischen Temperamente wurden so beschrieben:
- Melancholiker - Schwarze Galle macht sie traurig und nachdenklich-ernst.
- Sanguiniker - Das Blut macht sie leidenschaftlich, heiter und aktiv.
- Phlegmatiker - Sie sind durch zu viel Schleim gleichgültig, schwerfällig und emotionsarm.
- Choleriker - Durch gelbe Galle sind sie hitzköpfig und übellaunig.
Die vier "Wesensarten" werden in der Musik Hindemiths durch vier Variationen von Soloklavier und Streichorchester musikalisch dargestellt. Zusätzlich bereichert Hindemith die Idee der Variation durch die Verwendung von gleich drei Themen: einem lyrischen Moderato für Streicher, einem spitzen Allegro für Klavier und Orchester und einer zart-melancholischen Pastorale für Solovioline. Balachines Choreographie basiert auf dem klassisch-akademischen Ballett, das durch freie Formen und abstrakte Ideen aufgebrochen wird.
Weitere Aufführungen finden am 16., 23., 28., 30., Oktober und 13. November im Theater Duisburg statt. Ab dem 3. Dezember ist die Produktion des Ballett am Rhein im Schwesternhaus Düsseldorf mit den Düsseldorfer Symphonikern zu sehen.
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