Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Sternlose Nacht

Zum ersten Mal in seiner nunmehr 13-jährigen Erfolgsgeschichte hat das Mahler Chamber Orchestra eine neue Komposition in Auftrag gegeben. Gefördert wurde das Projekt von der Ernst von Siemens Musikstiftung. Die Uraufführung des neuen Werks Sternlose Nacht von Toshio Hosokawa erfolgt am 2. Oktober wird im Rahmen der Herbstfestspiele Baden-Baden unter der Leitung von Kent Nagano. Zusammen mit dem Orchester stehen Sopranistin Sally Matthew, Mezzosopranistin Mihoko Fujimura sowie der WDR Rundfunkchor auf der Bühne.

Der Titel Sternlose Nacht geht auf ein Gedicht Georg Trakls zurück:

Stille leuchtet die Kerze
Im dunklen Zimmer;
Eine silberne Hand
Löschte sie aus;

Windstille, sternlose Nacht.

Für insgesamt vier der neun Sätze (I Winter, IV Frühling, V Sommer und IX Herbst) werden Texte von Trakl verwendet, die vom Chor gesungen werden und einen Jahreszeitenzyklus beschreiben. Die restlichen Sätze sind so genannte "Zwischenrufe" - Augenzeugenberichte von zwei großen Tragödien, die sich im Jahr 1945 während des Zweiten Weltkriegs ereigneten: die Zerstörung Dresdens im Februar und der Atombombenabwurf auf Hosokawas Geburtsort Hiroshima am 6. August. Der zweite und der dritte Satz (II Interludio und III Grabstein in Dresden) beziehen auf die Ereignisse in Dresden, während die Sätze sechs bis acht von Hiroshima erzählen (VI Interludio 2, VII Grabstein in Hiroshima, VIII Gesang der Engel).

Die zweite Aufführung von Sternlose Nacht erfolgt am 6. November in der Dresdner Frauenkirche, einem Symbol für die Zerstörungen im Krieg. 

(28.09.2010)



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