Werk der Woche - Krzysztof Penderecki: Polnisches Requiem

Am 14. August wird im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals Krzsyztof Pendereckis Polnisches Requiem von der NDR Radiophilharmonie und dem Warsaw Philharmonic Choir in der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg aufgeführt. Anlass ist der 30. Jahrestag des Streiks auf der Danziger Lenin-Werft, aus der heraus sich die Gewerkschaft Solidarność gründete. Von ihr hatte Penderecki noch 1980 den Auftrag zur Komposition Lacrimosa erhalten, das heute der zehnte Satz des Requiems ist. Das Werk wurde zur Enthüllung eines Ehrendenkmals zum Gedenken an die Opfer des Danziger Arbeiteraufstands von 1970 zur Uraufführung gebracht. Die 16 weiteren Sätze, die Persönlichkeiten und Ereignissen der polnischen Geschichte gewidmet sind, komponierte Penderecki in den folgenden 25 Jahren.
Nach dem Tod des Kardinals Stefan Wyszynski am 28. Mai 1981 beschloss Penderecki ein Agnus Dei für den Geistlichen zu schreiben, der oft als Vermittler zwischen Staat und Bürgern agierte und sich für Frieden und Versöhnung zwischen Polen und Deutschland einsetzte. Nachdem dieses Stück zur Trauerfeier von Wyszynski uraufgeführt worden war, entschied sich Penderecki, es zusammen mit dem Lacrimosa als Ausgangspunkt für eine großformatige Trauermesse anzusehen. Im September 1984 wurde unter der Leitung von Mstislv Rostropovich zum ersten Mal ein Werk mit dem Titel Polnisches Requiem aufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt enthielt es noch kein Sanctus, das erst 1993 hinzukam. Der jüngste Teil ist die Ciaconna von 2005, ein reiner Streichorchestersatz, den Penderecki im Gedenken an den polnischen Papst Johannes Paul II komponierte.
Das Polnische Requiem ist Teil einer Reihe von Werken, in denen Penderecki Bezug auf Politik und Gesellschaft nimmt; weitere Werke sind Threnos (1960), das den Opfern des Bombenabwurfs über Hiroshima gewidmet ist, und das im Gedenken an die Anschläge vom 11. September komponierte Klavierkonzert Resurrection (2001).
Die nächsten Aufführungen des Polnischen Requiems in Deutschland sind am 12. November in der Berliner Philharmonie und am 15. Januar 2011 im Leipziger Gewandhaus zu erleben.
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