Werk der Woche - Chaya Czernowin: Pnima...ins Innere

Zum Abschluss der Spielzeit 2009/10 präsentiert die Staatsoper Stuttgart am 9. Juli die Premiere von Chaya Czernowins Kammeroper Pnima...ins Innere. In der Inszenierung von Yona Kim übernimmt Johannes Kalitzke die musikalische Leitung. Bühnenbild und Kostüme stammen von Herbert Murauer und Katharina Weissenborn.
Chaya Czernowin hat sich für diese von der Zeitschrift Opernwelt als "Uraufführung des Jahres 2000" gekürte Kammeroper literarisch von David Grossmans "Stichwort: Liebe" inspirieren lassen. Der Roman erzählt die Geschichte eines Jungen im Israel der 1960er Jahre, der mit dem Trauma der ihn umgebenden Erwachsenen aufwächst. Czernowins Oper thematisiert die schmerzhafte aber notwendige Begegnung zwischen den Generationen bei der gesellschaftlichen Verarbeitung der Schreckenserfahrungen des Holocaust.
Pnima...ins Innere kommt trotz literarischer Vorlage ganz ohne Text aus und konzentriert sich auf die Sprache der Musik und der Schauspieler. "Pnima" bedeutet auf Hebräisch "ins Innere" und so entführt die Komponistin jeden Zuschauer in die eindringliche Klangwelt der psychosozialen Thematik des Werks.
Die Stuttgarter Inszenierung thematisiert den Kontakt zwischen den Generationen innerhalb einer scheinbar normalen jüdischen Familienkonstellation aus der Perspektive des Kindes, das sich dem traumatischen psychischen Erbe seiner Verwandten nicht entziehen kann.
Die Regisseurin Yona Kim zu ihren ersten Begegnungen mit der Oper: Als ungeheuer frei und auch grenzgängerisch empfinde ich dieses Stück, das in seiner Klanggebärde exzessiv modern und zugleich auch packend ist (…) Diese Klänge sind für mich im Augenblick wie unzählige Rasierklingen, die im Raum fliegen – eine seltene und seltsame Schönheit.
Vielfältige Diskussionsveranstaltungen begleiten die Premiere dieser Oper mit anhaltender gesellschaftlicher Relevanz:
An der Staatsoper Stuttgart findet am 10. Juli die Kurztagung "Im Inneren der Klänge - Vier Annäherungen an Pnima", statt. Musik- und Literaturwissenschaftler reflektieren Czernowins Musiktheaterwerk, die "Geburt der Musik aus der Erschütterung" und die Traumabewältigung der Juden in Israel. Nach der Aufführung ihrer Komposition Manoalchadiya für Bassflöte und zwei Frauenstimmen stehen Czernowin im Interview neben Yona Kim Rede und Antwort.
Beim "Kaleidoskop" im Literaturhaus Stuttgart am 14. Juli ist die Komponistin im Gespräch über Musik, Literatur und Liebe mit der Schriftstellerin Ulrike Draesner zu erleben, mit der Czernowin eine lange Freundschaft verbindet.
Schließlich veranstaltet die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart am 9./10. Oktober eine Tagung anlässlich der Opernproduktion.
Weitere Aufführungstermine von Pnima...ins Innere an der Staatsoper Stuttgart sind der 11., 15., 20. und 22. Juli 2010.
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