Werk der Woche - Dieter Schnebel: "Mild und leise..."

Dieter Schnebels "Mild und leise..." ist die zweite Vertonung von Bachmann-Gedichten und wird am 22. März an der Universität der Künste in Berlin uraufgeführt. Das erweiterte Trio Accanto spielt Schnebels neues Werk gemeinsam mit Sängerin Susanne Otto im Rahmen des Festivals "MaerzMusik". Zusammen mit der bereits im Jahr 2003 entstandenen, früheren Komposition, die ebenfalls auf dem Programm steht, bietet sich dem Publikum ein abendfüllender Zyklus auf späte lyrische Werke von Ingeborg Bachmann. Gleichzeitig findet das Konzert zu Ehren Schnebels statt, der vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag feierte und von 1976 bis 1995 Professor für Experimentelle Musik an der Universität der Künste war.

Während es sich bei den anlässlich Bachmanns 30. Todestages in Wien uraufgeführten, im Auftrag der Schwester und des Neffen der Dichterin entstandenen Vertonungen um einzigartige Liebeslieder handelt, wird der Kontrast zu den Texten seines neuen Werks in Schnebels Worten deutlich:

"Mild und leise...": ist das nicht aus "Tristan"? Tatsächlich wimmelt es in Ingeborg Bachmanns Gedichtentwürfen aus dem Krisenjahr 1963 von Zitaten aus der Wagneroper, die sowohl zur eher klinisch-expressionistischen Sprache der Gedichte als auch zu ihrem Inhalt im Widerspruch stehen und in solcher Zerrissenheit das Unglück äußern, von dem sie handeln. In der musikalischen Umsetzung erscheinen die Wagnerzitate original und also unverbunden – gleichsam eingekapselt – in den sonst eher seriellen Verläufen, um so denen der Sprache eine entsprechende musikalische Dimension zu verschaffen.

Mit den Bachmann-Gedichten II wird Schnebels Beschäftigung mit der Bachmanns Lyrik weitergeführt; darüber hinaus erlaubt die Aufführung seiner beiden Vertonungen einen vergleichenden Einblick in ebendiese Auseinandersetzung zwischen 2003 und 2009/2010.

(22.03.2010)



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