Werk der Woche - Paul Hindemith: Im Kampf mit dem Berge

Bei den Partnerfestivals transart2009 Bozen und den Klangspuren Schwaz führt die Internationale Ensemble Modern Akademie unter der Leitung von Franck Ollu die Filmmusik Im Kampf mit dem Berge von Paul Hindemith auf. Die Filmmusik zum Bergsteigerepos von Arnold Fanck ist am 11. September in Bozen und am 13. September in Schwaz zu hören.
Die Komposition entstand 1921, als sich Hindemith in der Villa des Regisseurs und Geologen Arnold Fanck in Freiburg aufhielt. Dieser hatte kurz zuvor in den Walliser Alpen die Besteigung des Lyskamm-Gipfels mit der Kamera dokumentiert und Hindemith wurde nun persönlich Zeuge des Filmschnitts. Mit den Worten „Wissen Sie, was Sie da machen ist reine Musik!“ bot er Fanck begeistert an, eine passende Musik zu komponieren und schuf so eine der ersten Originalkompositionen deutscher Stummfilmkunst. Mit der Stoppuhr wurde die Dramaturgie der Filmsequenzen an die der Musik angepasst. Hindemith probierte seine Skizzen am Flügel immer wieder mit der Projektion aus. Die gedruckte Partitur war schließlich ein Geschenk für Arnold Fanck und enthielt 87 Minuten Filmmusik; für jede Filmrolle war ein „Akt“ Musik vorgesehen.
Kurz vor seinem Aufenthalt in Freiburg bei Fanck hatte sich Hindemith in Meran, einer Stadt in der Provinz Bozen (Südtirol), von seinen Aufgaben als Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters erholt. In Anlehnung daran findet sich auf der Titelseite der Partitur nicht Hindemith als Urheber, sondern sein Pseudonym „Paul Merano“.
Der Film lief schon bald erfolgreich in den deutschen Lichtspielhäusern – zunächst jedoch ohne Hindemiths Musik. Zum einen lehnten sie die meisten Kapellmeister ab, weil sie zu viele Proben verlangt hätte. Zum anderen war es zu dieser Zeit noch üblich, klassische Konzertwerke zu Filmen zu spielen.
Schließlich kaufte das Filmunternehmen UFA Fanck sein Filmmaterial inklusive Hindemiths Partitur ab und organisierte eine Uraufführung. Es wurde eine um 12 Minuten gekürzte Fassung gezeigt. Später nahm Fanck eine weitere Reduzierung vor: Das so genannte „Moskauer Material“ umfasst nur noch 54 Minuten.
Der Filmmusik-Forscher Lothar Prox richtete das Musikmaterial Hindemiths für diese Filmfassung neu ein. Er fertigte vom "Moskauer Material" ein Zeitprotokoll an und setzte Fixpunkte, so dass sich die reduzierte Filmfassung wieder mit Hindemiths Musik synchronisieren ließ. Die musikalischen Bezüge zum Inhalt blieben dabei erhalten. Über seine Bearbeitung, die die Internationale Ensemble Modern Akademie aufführen wird, sagt Prox: "Da die Substanz und der Fluss der Musik insgesamt bewahrt bleiben konnten, dürfte die Frische und Kraft von Hindemiths Beitrag dem geschwächten Filmdokument zugute kommen und doch noch einen gültigen Eindruck vom Gesamtkunstwerk des Regisseurs und des Musikers vermitteln."
Schott führt ein breites Repertoire an Filmmusik, angefangen von der Begleitmusik zu Klassikern des Stummfilms von Paul Dessau, Richard Strauss und Enjott Schneider über originale Filmmusiken von zeitgenössischen Komponisten wie Hans Werner Henze, Toru Takemitsu, Krzysztof Penderecki und Bernd Alois Zimmermann bis hin zu international gefeierten Großmeistern der Branche wie Nino Rota, Howard Shore und – ganz neu bei Schott – Klaus Doldinger.
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