Oper Frankfurt eröffnet Spielzeit 2009/10 mit Hartmanns "Simplicius"

Am 6. September feiert die Oper Frankfurt mit Simplicius Simplicissimus von Karl Amadeus Hartmann ihre erste Premiere der neuen Spielzeit 2009/10. Das hochkarätige Ensemble der Oper Frankfurt unter der musikalischen Leitung von Erik Nielsen bedient sich hierbei der Produktion des Regisseurs Christof Nel, die 2004 erfolgreich an der Staatsoper Stuttgart lief. Claudia Mahnke in der Titelpartie und Frank van Aken als Einsiedel kennen ihre Rollen schon aus Stuttgart. In Frankfurt wurde Simplicius Simplicissimus zuletzt vor fast 40 Jahren aufgeführt.

           Foto: © Oper Frankfurt

Den Roman Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch schieb von Jakob Christoffel von Grimmelshausen im Jahr 1669. In ihm schildert er die grausamen Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges aus der Perspektive eines naiven Kindes (Simplicius Simplicissimus). In den 1930er Jahren, vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges, entdeckte Hartmann die Aktualität des Stoffes für sich und formte daraus sein Bühnenwerk. Im jungen Simplicius sieht der Komponist „den unheroischen, unverborgenen Menschen, der noch eine kommende Welt in seinem Innern trägt“. Die noch kommende Welt, auf die er hinweist, ist grausam und von Krieg geprägt. "Selbst die Träume erlösen Simplicius nicht von der grausamen Gegenwart. Es sind Wahrträume." Und dennoch sieht Hartmann ein gutes Ende: "Hält man der Welt den Spiegel vor, sodass sie ihr grässliches Gesicht erkennt, wird sie sich vielleicht noch einmal eines Besseren besinnen. Trotz aller politischen Gewitterwolken glaube ich an eine bessere Zukunft: Das soll die Schluss-Apotheose in meinem Simplicius ausdrücken."

Hauptaspekt der Stuttgarter Inszenierung, die nun auch in Frankfurt aufgeführt wird, ist die Suche nach dem innersten Kern des Stückes. Regisseur Christof Nel erklärt: "Die Arbeit war, eine Schutzschicht nach der anderen abzutragen und sich immer mehr dem Punkt zu nähern, an dem man sich fast nicht mehr schützen kann." Dazu wählte er Hartmanns Neubearbeitung aus den 1950er Jahren, die durch ihre dünne kammermusikalische Besetzung, die geringe Anzahl an Darstellern und nur angedeutetem szenischem Handeln klarer und offener ist als die frühere sinfonische Fassung.
 

(04.09.2009)



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