Werk der Woche - Heinz Holliger: (S)irat(ó)

Anlässlich des 70. Geburtstages von Heinz Holliger im Mai dieses Jahres führt das BBC National Orchestra of Wales unter der Leitung von Thierry Fischer am 04.08. im Rahmen der BBC Proms sein Orchesterwerk (S)irat(ó) auf.
Die Komposition entstand im Sommer 1992 sowie im Frühjahr 1993 als Auftragswerk des Schweizerischen Festspielorchesters zu dessen 50jährigem Bestehen und wurde am 18. August 1993 unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt.
Der Titel (S)irat(ó) beinhaltet zwei Begriffe, aus deren Verbindung sich die Intention hinter dem Werk ergibt: „Sirató“ bezeichnet im Ungarischen ein Klagelied, insbesondere die Totenklage. Im Stück trauert Holliger um seinen kurz vor der Entstehung verstorbenen Lehrer, den ungarischen Komponisten Sándor Veress. Zugleich ist Holliger "irato" (italienisch für "erzürnt") aufgrund der seiner Meinung nach geringen Anerkennung, die Veress in dessen Wahlheimat Schweiz für seine Verdienste um die Musikethnologie entgegengebracht wurde.
Veress hatte bei Zoltán Kodály und Béla Bartók Klavier- und Kompositionsunterricht genommen. Seine Musik ist geprägt von Elementen der ungarischen Volksmusik. Dieser Einfluss hat in Holligers Werk seine Spuren hinterlassen: Durch die "Monodie für großes Orchester", so der Untertitel zu (S)irat(ó) zieht sich ein Ostinato aus vier Tondauern und fünf Tönen durch alle Register. In Anlehnung an die Traditionen der ungarischen Musik nehmen Klarinetten und Zimbals hierbei eine hervorgehobene Position ein.
Holliger beschreibt den musikalischen Verlauf des Stücks selbst: "Der erregte, wie in den von Bartóks herausgegebenen Siratós reichverzierte, sprachähnliche Gesang erhebt sich aus den tiefen Registern des Orchesters allmählich höher und führt über eine wildbewegte arpeggiando-Kadenz aller Saiteninstrumente in einen ruhigeren Schlussgesang der hohen Streicher, Holzbläser und der Celesta. Dazu erklingen in der Tiefe, basierend auf dem Ostinato, ein Choral der fünf tiefen Klarinetten (2 Klarinetten, 2 Bassklarinetten, 1 Kontrabassklarinette), der tiefen Blechbläser und des Wassergongs sowie (aus der Ferne) ein dunkles Glockengeläute von fünf Plattenglocken, Cimbalum, Harfe, Klavier und Pauken."
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