Werk der Woche - Jörg Widmann: Antiphon

Jörg Widmanns Antiphon für Orchestergruppen setzt seine Reise durch die Konzertsäle der Welt fort. Nach nationalen Erstaufführungen in Deutschland, den USA und Finnland folgt in dieser Woche Frankreich, bevor im Mai die Britische Erstaufführung ansteht. Nun hat das Orchestre national de Lyon Widmanns Werk an drei Abenden auf den Spielplan gesetzt, um unter der Leitung von Heinz Holliger das französische Publikum in neue Klangstrukturen zu führen. Spielstätten sind am 5. und 7. März das Auditorium in Lyon und am 6. März der Espace Malreux in Chambéry.

Als einer der aufregendsten deutschen Musiker, gleichermaßen als Klarinettist wie als Komponist, bettet Widmann in seinen Werken tradierte musikalische Elemente in eine neue Umgebung ein. Inspiriert von der venezianischen Mehrchörigkeit hat er sich in Antiphon verschiedene in sich homogene Orchester-Chöre geschaffen. Es gibt jeweils eine Gruppe aus Holzbläsern, Blechbläsern, Schlaginstrumenten sowie ein Streichensemble, die auf engstem Raum angeordnet werden und permanent miteinander interagieren. Dabei hat Widmann bewusst auf ein internes Ineinanderfließen des Klangs verzichtet und stattdessen ein akustisches Brettspiel entworfen, auf dem das den Gruppen zugeteilte musikalische Material verschoben wird.

Der Titel des Stücks reflektiert demnach nicht nur die vielchörige Anordnung der Musiker, sondern besonders auch die Bauweise der musikalischen Struktur. Eine ungewohnte Konstellation aus Musikergruppen entsteht für den Dirigenten und damit auch eine ganz neue Herausforderung, sowohl beim dirigieren, als auch in dem resultierenden Gebilde aus Klangformen, die das Stück einerseits ordnen, andererseits unvorhersehbare Wendungen annehmen. Es wird eben alles "der Idee des Wechselgesangs, des Antiphons unterworfen" (Widmann).

(02.03.2009)



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