Schott Music Adventskalender - 14. Dezember

Kubanische Weihnacht - Carlos Acosta erzählt
In Bens [Ben Stevenson, Choreograph] Haus feierte ich zum allerersten Mal Weihnachten. In Kuba werden religiöse Feste entweder nicht gefeiert oder im Stillen begangen. Erst 1998, nachdem Papst Johannes Paul II. die Insel besucht hatte, wurde Weihanchten in Kuba allmählich wieder gefeiert, obwohl, da der Brauch so viele Jahrzehnte tot gewesen war, eigentlich niemand genau wusste, wie man das machte. Statt eines Nadelbaums schmückte so mancher einen Mangobaum mit leeren Bier- und Coladosen. Als Weihnachtsschmaus gab es dasselbe Essen wie immer: gebratenes Schweinfleisch, Kassava, gebratene Bananen, weißen Reis mit schwarzen Bohnen. Ich hatte keine Ahnung von Weihnachtsbräuchen und musste José [José Herrera, Tänzer und Mitbewohner von Carlos Acosta] fragen, wer der alte Typ in Rot mit dem weißen Bart war. Als wir eines Tages unsere Gastwohnung in La Porte betraten, fanden wir eine riesige Tanne im Wohnzimmer vor, und Ben brachte an dem Abend Dutzende von bunten Kugeln und Schmuck mit. Eine Stunde später war der Baum keiner mehr, sondern hatte sich in eine Art Karnevalswagen verwandelt.
Aus: Carlos Acosta: "Kein Weg zurück". Die Geschichte eines kubanischen Tänzers. Schott Music.
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1992, Houston


