Werk der Woche - Hans Werner Henze: Undine

Vor genau 50 Jahren, am 27. Oktober 1958, erlebte Hans Werner Henzes Ballett Undine seine umjubelte Uraufführung am Londoner Royal Opera House Covent Garden. Henze komponierte die abendfüllende Ballettmusik in enger Zusammenarbeit mit dem Royal Ballet und seinem damaligen Direktor Frederick Ashton. Auf der Basis der Erzählung "Undine" von Friedrich de la Motte-Fouqué entwickelte Ashton einen Handlungsverlauf und Vorgaben über zeitliche Längen, Tempi und Abfolgen von Soli und Gruppentänzen.
Henzes Musik knüpft an die große Balletttradition an. Seine schillernde Darstellung des phantastischen Reiches der Wassergeister und Nymphen bewegt sich zwischen romantischem Lyrizismus und Anklängen an den Neo-Klassizismus. Für den Konzertsaal existieren Auszüge aus dem Ballet wie die Erste Suite für Orchester, die Zweite Suite für Orchester, Jeux des Tritons für Klavier und Orchester, Trois Pas de Tritons für Orchester und die Hochzeitsmusik für symphonisches Bläserensemble.
Die Uraufführung von Henzes Undine war auch einer der größten Triumphe der britischen Ballett-Legende Margot Fonteyn. In seinem Undine-Tagebuch hielt Henze einen Lobgesang auf die Uraufführungs-Interpretin: "Die Krone der Schöpfung, der strahlende Mittelpunkt des ganzen choreographischen Werks, war Margot, die assoluta, das fragile Instrument, die Stradivarius des Meisters. Aus ihr erwuchsen die kostbarsten Motionen, die zärtlichsten, bewegenden. [...] Margot ist von ihrem ersten Erscheinen an das zerbrechlichste Gefäß der zerbrechlichen Ashton'schen Poetik. Eine Bewegung ihres Körpers, ein Augenaufschlag, ein port des bras, ein Dahinschweben über eine Kantilene - schon ist das Portrait des wunderlichen Undinenwesens vollkommen."
(27.10.2008)
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