"Pnima... ins innere" von Chaya Czernowin am Deutschen Nationaltheater Weimar

Zum ersten Mal nach der viel beachteten Uraufführung von Chaya Czernowins Musiktheaterstück Pnima... ins innere bei der Münchener Biennale im Jahr 2000 wagt sich nun ein Theater an diesen sensiblen Stoff: Am 5. September hat am Deutschen Nationaltheater Weimar eine Neuinszenierung von Operndirektor Karsten Wiegand in einem Bühnenbild von Bärbl Hohmann Premiere. Die musikalische Leitung hat Johannes Harneit.

In ihrem ersten Musiktheaterstück Pnima…ins innere, mit dem Czernowin einem größeren Publikum bekannt geworden war, wählte sie ein Thema, das die Gesellschaft ihres Heimatlandes Israel bis heute beherrscht: das kollektive Trauma des Holocaust. Diesem nähert sich die 1957 in Haifa geborene Komponistin aus der Sicht ihrer eigenen Generation. Aufbauend auf der Erzählung „Momik“ aus dem 1986 erschienenen Buch Stichwort: Liebe von David Grossman, beleuchtet ihr Stück auf eindringliche Weise die Last der individuellen Erinnerungen an den Holocaust und die andauernde Traumatisierung, aber auch die Befreiung, die in der Weitergabe dieser Erinnerungen an eine nachfolgende Generation liegen kann. Besonderheit von Czernowins musikalisch-szenischer Umsetzung ist, dass die Darstellung auf der Bühne nur durch Schauspieler erfolgt, die vier Vokalsolisten agieren aus dem Orchester heraus. Ihre Partien bestehen nur aus Vokalisen, es gibt keinen Text.
 
Chaya Czernowin zu ihrem Stück: „Pnima…ins innere ist mehr als ein Musiktheater über den Holocaust. Viel grundsätzlicher handelt es davon, wie wir mit einer traumatischen Erfahrung umgehen. Zunächst reagiert man mit Widerstand, Ärger und Verhärtung, so wie der alte Mann in meinem Stück. Dann aber tritt Trauer hervor, Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit. Wie bei dem Kind, das die Stimme der Seele wachruft, eine Stimme des Überlebens und der Überwindung – und doch der Hoffnungslosigkeit, da sie erkannt hat, dass sich die Welt nicht verändern lässt.“
 
Die Oper wurde mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet und von der Fachzeitschrift Opernwelt zur „Besten Uraufführung“ des Jahres 2000 gekürt.
 
(28.08.2008)



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