Klassiker der Moderne - Nachruf auf Harald Genzmer

Der Komponist Harald Genzmer ist am 16.12.2007 im Alter von 98 Jahren in München gestorben. Die Musikwelt und der Verlag Schott Music verlieren damit einen bei Publikum und Interpreten gleichermaßen geschätzten Komponisten, einen bedeutenden Lehrer und einen überaus liebenswürdigen Mitmenschen.
 
Genzmer gehörte zu jenen Komponisten, die mit ihrer Kunst verstanden werden wollen: „Musik soll vital, kunstvoll und verständlich sein. Als praktikabel möge sie den Interpreten für sich gewinnen, als erfassbar sodann den Hörer." Eine Kunst um ihrer selbst oder um abstrakter Prinzipien willen lehnte er ab. Neben großen Konzertwerken für international renommierte Orchester komponierte Genzmer immer wieder Stücke für Laien, so dass seine Musik nicht nur auf den großen Konzertbühnen gespielt wurde, sondern sich bei Schul- und Studentenorchesters großer Popularität erfreute und weithin bekannt wurde.
 
Als Professor für Komposition fand der gebürtige Bremer ab 1946 zunächst in Freiburg, dann ab 1957 in München seine eigentliche Berufung. Er war Lehrer aus Leidenschaft und vermittelte Generationen von jungen Komponisten seine in einem umfangreichen eigenen Schaffen dokumentierte Fähigkeiten und seine enormen Kenntnisse der Musikgeschichte. Dabei galt ihm die Musik als eine Kunst unter anderen; sein glänzendes Wissen in Schwestergebieten wie der Literatur, der bildenden Kunst, aber auch in den Naturwissenschaften ergänzte seinen Unterricht über Jahrzehnte.
 
Das Schaffen, das Genzmer hinterlässt, ist von erstaunlicher Vielfalt. Es umfasst alle Gattungen von der Klaviermusik bis zur Sinfonik (darunter fünf Sinfonien) mit einer signifikanten Ausnahme: Der Komponist schrieb keine Oper. Einen deutlichen Schwerpunkt bilden in seinem Werk das Konzert bzw. Werke, die einem konzertierenden Prinzip folgen. Er schrieb zahlreiche Solokonzerte und ließ sich von renommierten Interpreten immer wieder dazu inspirieren, auch Konzerte für außergewöhnliche Instrumente, etwa für Mixtur-Trautonium, zu komponieren. Genzmer begeisterte durch künstlerische Inspiration, durch seine Einfühlungsvermögen in die Interpreten, denen er dankbare instrumentale Aufgaben geben wollte, sowie durch seinen Sinn für den Klang eines Instruments, einer Melodie, einer harmonischen Wendung. Er, der unter anderem bei Paul Hindemith studiert hatte und von so unterschiedlichen Komponisten wie Igor Stravinsky, Claude Debussy und Bela Bartok Anregungen empfing, fand früh seinen von unerschöpflicher Phantasie, Verständlichkeit und souveräner Beherrschung des Handwerks bestimmten Personalstil. Noch seine letzten Kompositionen, von denen viele für befreundete Musiker entstanden, zeigen eindrucksvoll seine unvergleichliche geistige und künstlerische Produktivität. Nur wenige Wochen vor seinem 99. Geburtstag ist der Komponist in seiner Wahlheimat München verstorben.

 Harald Genzmer - Profil 
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(19.12.2007)



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