Werk der Woche - Carl Orff: Catulli Carmina

Bei den diesjährigen Carl Orff-Festspielen in Andechs wird Catulli Carmina als szenisches Tanzspiel auf die Bühne gebracht. Das Orchester der Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters begleitet unter der Leitung von Christian von Gehren den Andechser Festspielchor, die Friedolinspatzen des Gesangvereins Maisach und den Jugendchor "Sound of Voices" sowie die Solisten Anja Vegry, Manuel König und Hinrich Horn. Die Choreographie von Irina Paulus und die Lichtkonzeption von Marcus Everding lassen das Florian-Stadl am Premierentag, dem 24. Juli 2014 um 19 Uhr regelrecht magisch erscheinen und heben den szenischen Charakter der Aufführung hervor. Im Rahmen dieses Programms wird auch Orffs Carmina Burana aufgeführt.

Die Carl Orff-Festspiele finden alljährlich in Andechs statt. Hier wurde der Komponist 1982 in der Schmerzhaften Kapelle der Wallfahrtskirche auf eigenen Wunsch begraben. Das Kloster fühlte sich daher in der Verantwortung, die Orffschen Werke zu pflegen und zu fördern. Am Fuße des Heiligen Berges befindet sich die Spielstätte, das Florian-Stadl. Das ehemals als Scheune und Schweinestall benutzte Gebäude wurde in aufwendiger Weise zu einem Schauplatz für die Werke Carl Orffs umgebaut.

Die drei kurzen Akte der szenischen Kantate Catulli Carmina sind von einer Rahmenhandlung eingeschlossen. Das Vorspiel zu Catulli Carmina beginnt mit Jünglingen und Mädchen, die ihre Liebe zueinander bekennen und sich ganz ihrem Wunsch nach ewiger Zweisamkeit hingeben wollen. Die ebenfalls anwesenden Greise belächeln dies und bekunden spöttisch ihre Überzeugung, es gebe keine ewige Liebe. Dazu erinnern sie an die Geschichte Catulls, dessen Hingabe zu seiner Geliebten Lesbia nicht bedingungslos erwidert wurde, was ihn wiederum zur Verzweiflung brachte. Catull versuchte sein Verlangen nach Liebe in den Armen zweier Prostituierter zu finden, was ihm aber nicht gelang. Daraufhin gab er seine Suche nach ewiger Liebe auf. Die Greise versprechen sich von dieser Geschichte, die Jünglinge und Mädchen von dem Drang nach Liebe abzubringen. Jedoch scheinen diese nicht besonders beeindruckt und trotzen mit dem Ausruf "Eis Aiona! / Auf Ewig!" als Glaube an die Freiheit der ewigen Liebe.

Der lateinische Text zu Catulli Carmina  basiert auf den Liebesgedichten des römischen Dichters Gaius Valerius Catullus und wird von einer opulenten Besetzung (vier Klaviere, vier Pauken und großes Schlagwerk) musikalisch untermalt. Es ist 1943 als zweites Werk eines Zusammenschlusses dreier Werke entstanden. Carmina Burana, Catulli Carmina und Trionfo di Afrodite sind zwar eigenständige Werke, wurden von Orff aber unter dem Titel Trionfi zu einem szenischen Triptychon zusammengefasst.

Mit dem Erfolg der Carmina Burana war schon bald von verschiedenen Bühnen immer wieder der Wunsch laut geworden, dass ich dieses solitäre, nicht abendfüllende Werk durch ein zweites ergänzen sollte. Nach vielen verworfenen Plänen kam mir 1941 der Gedanke, auf die so schnell in Vergessenheit geratenen Catull-Chöre, die mir noch immer am Herzen
lagen zurückzugreifen.
– Carl Orff

Dabei begeisterte Orff vor allem die Phrase "Odi et amo / Ich hasse und ich liebe":

Diese Zeilen, kurz und wie gemeißelt, faszinierten mich, sie waren für mich Musik. Ein Funke sprang über und hatte gezündet. – Carl Orff

Nach der Premiere ist dieses Programm bis zum 3. August 2014 noch an sechs weiteren Terminen bei den Andechser Carl Orff-Festspielen zu genießen.

(21.07.2014)

 

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21.07.2014

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