Werk der Woche - Kurt Weill: Die Verheißung

Der Collegiate Chorale und das Orchestra of St. Luke’s präsentieren am 6. Mai 2015 unter der Leitung von Ted Sperling Die Verheißung von Kurt Weill. 78 Jahre nach der Uraufführung am Broadway kehrt damit die Oper Der Weg der Verheißung als Oratorium nach New York zurück. Die amerikanische Erstaufführung der neuen Fassung ist am 6. Mai 2015 in der Carnegie Hall zu erleben.

Der Musikwissenschaftler und Dirigent Edward Harsh fertigte im Auftrag der Kurt Weill Foundation eine konzertante Fassung in 14 Szenen für Chor, Solisten und Orchester an. Er kürzte das ursprüngliche Bühnenwerk von über vier Stunden Dauer um etwa die Hälfte auf das erzählerische Grundgerüst. Der österreichische Schriftsteller Franz Werfel hatte das Libretto nur wenige Jahre vor seiner Emigration in die USA entworfen: Ein Vater flieht mit seinem 13-jährigen Sohn vor einer Meute, die "ein boshafter Herrscher" aufgestachelt hat. Sie retten sich in eine Synagoge, wo sie zusammen mit der versammelten Gemeinde ausharren. Man beginnt, alttestamentarische Geschichten um Abraham, Jakob, Moses und andere Figuren darzustellen und über sie zu diskutieren. In der Entdeckung der jüdischen Kultur findet der Sohn die eigene Identität und erkennt die ihm verheißene Zukunft.

Weill setzte sich für die Komposition von Der Weg der Verheißung intensiv mit den traditionellen hebräischen Melodien auseinander, die er durch seinen Vater kennenlernte. Auch ihn führte die Arbeit an der Musik zur Auseinandersetzung mit seiner Herkunft. Er wollte nur die ältesten und authentischen Melodien einbeziehen und recherchierte dafür in Bibliotheken. In einem Brief an den Produzenten Max Reinhardt äußerte sich Weill euphorisch:

„Ich glaube, dass es die schönste Musik wird, die ich bisher geschrieben habe.“ – Kurt Weill

Das Konzert in der Carnegie Hall geht über eine rein konzertante Aufführung hinaus: Wendall Harrington hat für das Werk Video-Projektionen entworfen, die dem Text und der Musik eine visuelle Dimension hinzufügen, wie sie in der Oper ursprünglich auch vorhanden war. Eine zweite Aufführung findet am 7. Mai 2015 am gleichen Ort statt.

Foto: collegiatechorale.org

(04.05.2015)

 

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