Werk der Woche - Jörg Widmann: Trauermarsch

In der Berliner Philharmonie findet am 18. Dezember die Uraufführung des lange erwarteten Klavierkonzerts von Jörg Widmann statt. Es trägt den Titel Trauermarsch und ist ein Auftragswerk der Berliner Philharmoniker, des Toronto Symphony Orchestra und der San Francisco Symphony. Die Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Simon Rattle werden das virtuose Werk nun gemeinsam mit dem New Yorker Pianisten Yefim Bronfman aus der Taufe heben.

Widmann verfolgte schon länger den Plan, ein Klavierkonzert zu komponieren. Mit der scheinbar übermächtigen "deutschen Tradition" (Widmann), die er mit dieser Gattung assoziiert, hat der Komponist intensiv gerungen. Was zunächst nur als Einleitung in der Art eines Trauermarsches und als Beginn eines mehrsätzigen Konzerts gedacht war, entwickelte sich  im Laufe des Schaffensprozesses zur Hauptsache. Widmann vertiefte sich immer weiter in den Gestus dieser archaischen Form, bis das am Ende einsätzige Werk auch den Titel Trauermarsch erhielt. Immer wieder wird der Marsch von motorischen und perkussiven Ausbrüchen durchzogen; vom ungeheuer dichten Klaviersatz, in dem man das Vorbild Brahms zu erkennen meint, geht ständig eine Vielzahl von Impulsen in einem sehr großen Tonumfang aus.

Was mich beschäftigte, war die Attacke des Klaviers und das relativ schnelle Verklingen des einzelnen Tons. Ich brauche deshalb eine Fülle von Impulsfolgen, um das Klavier klanglich gegenüber dem Orchester zu etablieren. Es war wie ein Rausch, das ist nichts, was ich geplant habe: Jede Klaviergeste hat einen Kommentar im Orchester nach sich gezogen. – Jörg Widmann

Widmann hat bereits für mehrere andere Instrumente virtuose Solokonzerte vorgelegt. In seinem Violinkonzert, im Oboenkonzert sowie in den Konzertstücken für Flöte (Flûte en suite), Cello (Dunkle Saiten), Klarinette (Elegie) und Trompete (ad absurdum) lotet der Komponist jeweils die technischen Möglichkeiten und Klangfarben des Instruments bis an ihre Grenzen aus.

Das Berliner Konzert, bei dem auch Werke von Wagner, Ravel und Sibelius auf dem Programm stehen, wird am 19. und 20. Dezember wiederholt - allerdings sind alle drei Termine seit Wochen ausverkauft. Die amerikanische Erstaufführung von Widmanns Trauermarsch ist dann für 2016 vorgesehen und wird in San Francisco stattfinden.

(15.12.2014)

 

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