Werk der Woche - Richard Wagner: Parsifal

Schott als Richard Wagner-Verlag befasst sich seit über 150 Jahren intensiv mit den Musikdramen des großen Komponisten. In jüngster Zeit erscheinen neben der wissenschaftlich-kritischen Gesamtausgabe mit ihren Partituren auch zugehörige Aufführungsmaterialien und die ersten Urtext-Klavierauszüge von Wagner-Opern überhaupt. Ebendiese Ausgaben sind auch von dem Bühnenweihfestspiel Parsifal erhältlich, das traditionell am Karfreitag aufgeführt wird.

Parsifal ist Wagners letztes großes Bühnenwerk. 1883, nur ein Jahr nach der Fertigstellung, verstarb er in Venedig. Bereits einige Jahrzehnte zuvor war er auf den Stoff aufmerksam geworden. Dennoch sollte es noch bis Sommer 1882 dauern, bis sein Werk, das exklusiv im Festspielhaus Bayreuth aufgeführt werden sollte, ebendort zu sehen und zu hören war. 1853 entstanden die ersten Skizzen:

Am Karfreitag erwachte ich bei vollem Sonnenschein: Das Gärtchen war ergrünt, die Vögel sangen, und endlich konnte ich mich auf die Zinne des Häuschens setzen, um der langersehnten, verheißungsvollen Stille mich zu erfreuen. Hiervon erfüllt sagte ich mir plötzlich, dass heute ja Karfreitag sei und ich entsann mich, wie bedeutungsvoll diese Mahnung mir schon einmal in Wolframs "Parsifal“ aufgefallen war. Seit jenem Aufenthalte in Marienbad, wo ich die "Meistersinger“ und "Lohengrin“ konzipierte, hatte ich mich nie wieder mit jenem Gedicht beschäftigt; jetzt trat sein Idealer Gehalt in überwältigender Form an mich heran und von dem Karfreitags-Gedanken aus konzipierte ich schnell ein  ganzes Drama, welches ich in drei Akte geteilt, sofort mit wenigen Zügen flüchtig skizzierte. - Richard Wagner, in: Mein Leben - Autobiographie

Für Wagner nahm Parsifal einen besonderen Platz in seinem Schaffen ein. Er sah das Werk um den Jungen aus dem Wald, der zum Retter und König des Grals wird, als logisches Ziel seines Œuvres an. Vielleicht auch deshalb unterscheidet sich das Spätwerk Parsifal von seinen Vorgängern. Denn anders als in früheren Opern Wagners tritt die äußere Handlung in den Hintergrund. Fokussiert wird das Innenleben der verschiedenen Figuren, die jeweils ihre eigenen Schicksale verarbeiten müssen. Das verbindende Element ist vor allem Wagners Leit- und Erinnerungsmotivik, die die Beziehungen zwischen den Protagonisten deutlich und erfahrbar machen. Wagner selbst bezeichnete sein Spätwerk als "Bühnenweihfestspiel", womit er auf religiöse Inhalte und auf hymnische Passagen verweist. Kontrastiert werden diese durch Chromatik und die stark erweiterte Harmonik.

Zu sehen ist Parsifal am 18. April in der Inszenierung von John Dew am Staatstheater Darmstadt. Darüber hinaus präsentiert das Gustav Mahler Jugendorchester in seinen Konzerten am 19. und 20. April das Vorspiel und den Karfreitagszauber aus dem Bühnenweihfestspiel in Interlaken in der Schweiz.

Foto: Staatstheater Darmstadt / Barbara Aumüller

(14.04.2014)

 

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